Marktmechanik
MarktberichtWochenberichtWochenbericht KW 37

EZB erhöht, Brent über 100: Die Woche, in der die Zinsen zurückkamen

Der DAX verliert 1,83 Prozent auf 25.568,56 Punkte, die EZB hebt den Einlagensatz auf 2,50 Prozent und die zehnjährige Bundrendite steigt auf den höchsten Stand seit 2009. Der Auslöser sitzt am Persischen Golf.

Tobias ReinhardtMarktbericht & Weltlage
4 Min Lesezeit

Der DAX hat die Woche mit einem Minus von 1,83 Prozent bei 25.568,56 Punkten beendet. Seit dem Rekordhoch Ende August hat er zeitweise mehr als 1.200 Punkte abgegeben. Den Ausschlag gaben drei Dinge, die zusammenhängen: Brent stieg über 100 Dollar, die EZB erhöhte zum zweiten Mal in diesem Jahr die Zinsen, und am Anleihemarkt zogen die Renditen so stark an wie seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar nicht mehr.

Was tatsächlich passiert ist

Am Mittwoch durchbrach Brent die Marke von 100 Dollar je Fass, zum ersten Mal seit Mitte Mai. Seit Jahresbeginn summiert sich der Anstieg damit auf rund 64 Prozent. Vorausgegangen war eine erneute Eskalation zwischen den USA und dem Iran, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus bleibt eingeschränkt. Dazu kam am Donnerstag die Meldung, dass die mit dem Iran verbündeten Huthi-Milizen den jemenitischen Hafen Mocha übernommen haben, was die saudischen Exporte über das Rote Meer bedroht. Laut Internationaler Energieagentur ist die saudische Förderung im August wegen Huthi-Angriffen auf sechs Millionen Barrel pro Tag gefallen, vor dem Krieg waren es mehr als zehn.

Der DAX fiel am Mittwoch um 1,7 Prozent auf 25.576 Punkte, am Donnerstag um weitere 0,84 Prozent auf 25.361. In der Nacht zum Freitag näherte sich Brent der Marke von 110 Dollar. Der Freitag brachte eine Gegenbewegung um 0,82 Prozent, weil der Ölpreis bis zum Abend wieder unter 105 Dollar fiel.

DAX
25.569-1,83 % auf Wochensicht
EZB-Einlagensatz
2,50 %vorher 2,25 % · gilt ab 16.9.
Bund 10 J.
bis 3,51 %höchster Stand seit August 2009
Brent
< 105 $Freitagabend · Hoch knapp 110 $
26113259082570325498252934.9.8.9.9.9.10.9.11.9.DAX, Schlussstände (Punkte)
DAX-Schlussstände der Berichtswoche. Belegt: 25.576 (9.9.), 25.361 (10.9.), 25.568,56 (11.9.). Die Werte für den 4.9. und 8.9. sind aus dem Wochenminus von 1,83 Prozent und dem Mittwochsminus von 1,7 Prozent zurückgerechnet; der Montag fehlt, weil kein Schlussstand vorlag.

Die EZB: erwartet, aber nicht harmlos

Der EZB-Rat hat alle drei Leitzinsen um 25 Basispunkte (0,25 Prozentpunkte) angehoben. Der Einlagensatz, also der Zins, den Banken für Guthaben bei der Notenbank erhalten, steigt auf 2,50 Prozent. Die Begründung ist eindeutig: Der Konflikt im Nahen Osten erzeuge weiter Inflationsdruck, die Inflation dürfe „für einen längeren Zeitraum deutlich über unserem Zielwert“ bleiben. Im August lag sie im Euroraum bei 3,3 Prozent.

Interessanter als der Zinsschritt selbst sind die neuen Projektionen. Die Gesamtinflation für 2026 bleibt bei 3,0 Prozent, die Werte für 2027 und 2028 wurden auf 2,5 und 2,1 Prozent angehoben. Die Kernrate, also die Inflation ohne Energie und Nahrungsmittel, soll 2027 sogar auf 2,6 Prozent steigen. Gleichzeitig hob die EZB ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,9 Prozent an. Eine Notenbank, die bei steigendem Wachstum höhere Kerninflation erwartet, hat wenig Grund, bald wieder zu senken. Am Geldmarkt zogen die Sätze am Freitag entsprechend an.

Wo die Woche wirklich teuer war

Am Aktienmarkt sind 1,83 Prozent eine schlechte, aber keine außergewöhnliche Woche. Am Anleihemarkt war sie es. Die zweijährige Bundrendite stieg auf 3,208 Prozent, den höchsten Stand seit Oktober 2023, ein Plus von fast 23 Basispunkten in fünf Tagen. Die zehnjährige Bundesanleihe rentierte zeitweise mit 3,5146 Prozent so hoch wie seit August 2009 nicht. Die zehnjährige US-Rendite kam nahe an die Marke von fünf Prozent.

Für Aktien ist das der eigentliche Übertragungsweg. Wenn eine sichere Bundesanleihe 3,5 Prozent bringt, müssen Aktien eine höhere erwartete Rendite liefern, um gehalten zu werden. Das geht über niedrigere Kurse oder höhere Gewinne. Ein Ölpreis über 100 Dollar drückt bei den meisten DAX-Unternehmen eher auf die Marge.

Falsifikationssatz

Meine Einordnung lautet: Der Rückgang dieser Woche ist eine Zinsbewegung, ausgelöst vom Öl, und keine Wachstumssorge. Sie wäre widerlegt, wenn die Renditen in der kommenden Woche wieder fallen, der DAX aber trotzdem weiter nachgibt. Dann würde der Markt nicht mehr die Zinsen fürchten, sondern die Konjunktur.

Was ansteht

Die US-Verbraucherpreise für August lagen am Freitag mit 3,4 Prozent im Rahmen der Erwartungen, die Kernrate bei 2,4 Prozent. Am Terminmarkt stieg die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung der Fed in der kommenden Woche danach auf rund 90 Prozent, nach etwa 70 Prozent zuvor. Die Fed hat trotz höherer Inflation als in Europa bisher stillgehalten. Hebt sie am Mittwoch an, sind die beiden großen Notenbanken gleichzeitig auf Straffungskurs. Bundesbankchef Nagel schloss am Freitag nicht aus, dass die EZB dabei bis in den restriktiven Bereich vordringt, also in ein Zinsniveau, das die Wirtschaft dämpft. Ich schaue deshalb in der kommenden Woche zuerst auf die zweijährige Bundrendite und erst danach auf den DAX.

Hinweis

Dieser Bericht ist eine Einordnung des Geschehens und keine Anlageberatung. Die genannten Kurse und Renditen sind Stände vom 9. bis 11. September 2026 laut den unten angegebenen Quellen und können sich seither verändert haben.

Quellen

  1. EZB: Geldpolitische Beschlüsse vom 10. September 202610.09.2026
  2. Marktbericht: Der DAX dreht nach EZB-Zinserhöhung ins Minus10.09.2026
  3. ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax stabilisiert sich - Ölpreise geben nach11.09.2026
  4. Der Börsen-Tag Freitag, 11. September 202611.09.2026

Stand der Recherche: 11. September 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

  • Wochenbericht
  • DAX
  • EZB
  • Ölpreis
  • Anleihen
Marktbericht & WeltlageTobias Reinhardt

Tobias Reinhardt hat vierzehn Jahre lang Nachschub geplant - erst in Deutschland, dann in zwei Auslandseinsätzen. Was er von dort mitgebracht hat, ist eine Skepsis gegenüber der Erklärung, die zuerst kommt: In der Lageeinschätzung war die erste Meldung fast immer falsch, und die zweite auch.

Profil ansehen →
Newsletter

Das Briefing am Freitag

Die Beiträge der Woche, eine offene Methodenfrage und ein Verfahren, das wir getestet und verworfen haben. Keine Signale, keine Kursziele.

Demo-Formular ohne Datenverarbeitung