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DAX: Rekord am Donnerstag, Wochenplus am Freitag wieder weg

Nach dem Wahlsieg der Demokraten steigt der DAX am Donnerstag auf 26.692 Punkte, am Freitag schließt er bei 25.820,36 und damit fast genau auf Vorwochenniveau. Dazwischen liegt der schwärzeste Nasdaq-Tag seit März 2020 und eine Ölwoche mit minus 13 Prozent.

Tobias ReinhardtMarktbericht & Weltlage
4 Min Lesezeit

Der DAX hat am Freitag 1,92 Prozent auf 25.820,36 Punkte verloren. Einen Tag zuvor hatte er mit 26.692 Punkten ein Rekordhoch erreicht. Auf Wochensicht bleibt damit fast nichts übrig: Der Index steht ungefähr dort, wo er am 30. Oktober geschlossen hatte. Den Rekord brachte die US-Wahl, den Rückschlag ein Ausverkauf bei KI- und Halbleiterwerten, der ausgerechnet mit derselben Wahl begründet wird.

Was tatsächlich passiert ist

Montag und Dienstag liefen ohne Richtung. Am Montag stieg der DAX um 0,63 Prozent auf 25.981,09 Punkte, am Dienstag fiel er um 0,45 Prozent auf 25.864,62 und scheiterte erneut an der Marke von 26.000. Am selben Tag bestätigte Washington Angriffe auf iranische Ziele.

In der Nacht zum Mittwoch stand fest, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen (Midterms, die Kongresswahl zur Hälfte der Amtszeit des Präsidenten) beide Kammern gewonnen haben. Der DAX legte am Mittwoch 2,22 Prozent auf 26.437,67 Punkte zu, getragen von Autowerten, Baustoffen und erneuerbaren Energien. Heidelberg Materials stieg um 9,6 Prozent. Gleichzeitig fielen Infineon, Hochtief und Siemens Energy um bis zu acht Prozent, weil Anleger eine strengere Regulierung der KI-Branche einpreisten.

Am Donnerstag markierte der DAX das Rekordhoch und drehte im Sog der Wall Street ins Minus. Der Nasdaq 100 verlor 6,4 Prozent, den stärksten Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020. Der Halbleiterindex SOX fiel um mehr als zwölf Prozent. Am Freitag folgte der DAX: zeitweise mehr als 1.000 Punkte unter dem Rekord, am Ende minus 504 Punkte.

DAX
25.820-1,92 % am Freitag · Rekord 26.692
Nasdaq 100
-6,4 %Donnerstag · größter Verlust seit 3/2020
Brent
98,32 $-13,3 % auf Wochensicht
US-Stellen Okt.
+165.000erwartet 65.000-70.000 · Quote 4,1 %
265002631426128259422575630.10.2.11.3.11.4.11.5.11.6.11.DAX, Schlussstände (Punkte)
DAX-Schlussstände der Berichtswoche. Belegt: 25.981,09 (2.11.), 25.864,62 (3.11.), 26.437,67 (4.11.), rund 26.325 (5.11.), 25.820,36 (6.11.). Der Wert für den 30.10. ist aus dem Montagsplus von 0,63 Prozent zurückgerechnet und keine gemeldete Kursangabe.

Was davon war eingepreist

Dass die Demokraten das Repräsentantenhaus zurückholen, galt vorab als wahrscheinlich. Die Größe des Siegs im Senat und bei einzelnen Gouverneurswahlen, vor allem in Texas, war es nicht. Diese Überraschung erklärt beide Tagesbewegungen. Mittwoch handelte der Markt die Hoffnung auf einen außenpolitisch milderen Kurs und eine weniger konfrontative Zollpolitik. Donnerstag handelte er die Sorge, dass Auflagen den Ausbau von Rechenzentren bremsen.

Ich halte den zweiten Teil für den schwerer einzuordnenden. Eine strengere KI-Regulierung auf Bundesebene müsste erst Gesetz werden, und gegen ein Veto des Präsidenten reicht die neue Mehrheit nicht. Was schneller wirken kann, sind Genehmigungsstopps auf Ebene der Bundesstaaten. Ein Kursrückgang von zwölf Prozent in einem Sektorindex an einem Tag spricht allerdings dafür, dass hier eine ohnehin hohe Bewertung nur einen Anlass gesucht hat. Die Frage, wann sich die Milliardeninvestitionen in KI auszahlen, stand schon vor der Wahl im Raum.

Falsifikationssatz

Meine Einordnung lautet: Der Ausverkauf vom Donnerstag ist überwiegend eine Bewertungskorrektur, die die Wahl ausgelöst, aber nicht verursacht hat. Sie wäre widerlegt, wenn in den kommenden Wochen konkrete Moratorien für Rechenzentren beschlossen werden und große Betreiber ihre Investitionspläne daraufhin tatsächlich kürzen. Dann war der Kursrutsch eine Gewinnrevision und keine Stimmungsfrage.

Öl und Arbeitsmarkt: zwei Nachrichten im Schatten

Der Frontkontrakt für Brent schloss die Woche bei 98,32 Dollar, ein Minus von 15,11 Dollar oder 13,32 Prozent. Prozentual ist das der größte Wochenverlust seit April 2020, es endet eine Serie von sechs Gewinnwochen. Der Markt rechnet damit, dass ein demokratischer Kongress die Kosten einer Fortsetzung des Iran-Kriegs für den Präsidenten erhöht. Die Entscheidung über eine mögliche Wiederaufnahme der Angriffe liegt aber weiter im Weißen Haus.

Der US-Arbeitsmarktbericht fiel deutlich stärker aus als erwartet: 165.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, eine Arbeitslosenquote von 4,1 nach 4,2 Prozent, Stundenlöhne plus 0,4 Prozent zum Vormonat. Die beiden Vormonate wurden um zusammen 84.000 Stellen nach oben revidiert. An einem anderen Tag hätte diese Zahl den Markt bewegt. Am Freitag ging sie im KI-Ausverkauf unter.

Für die Zinsseite ist sie trotzdem relevant. Die Fed hat den Leitzins im September auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben und im Oktober pausiert. Nach dem Bericht rechnen die Finanzmärkte überwiegend mit einer weiteren Anhebung im Dezember. Höhere Zinsen treffen dieselben Technologiewerte, die gerade unter Druck stehen.

Was ich mir für die kommende Woche notiere

Am Dienstag kommen die US-Verbraucherpreise für Oktober. Der Chefvolkswirt der VP Bank rechnet mit einem Anstieg der Inflationsrate auf vier Prozent. Liegt die Zahl dort oder darüber, ist die Dezember-Anhebung kaum noch abzuwenden. Daneben beobachte ich zwei Dinge: ob der Nasdaq 100 seine Erholung vom Freitag um zwei Prozent hält, und was Trump zum Iran entscheidet. Beides kann den DAX stärker bewegen als jede Unternehmenszahl dieser Woche.

Hinweis

Dieser Bericht ist eine Einordnung des Geschehens und keine Anlageberatung. Die genannten Kurse sind Schluss- beziehungsweise Intraday-Stände vom 2. bis 6. November 2026 laut den unten angegebenen Quellen und können sich seither verändert haben.

Quellen

  1. Aktien Frankfurt Schluss: Dax fällt wegen KI-Panik weit vom Rekord zurück06.11.2026
  2. ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax nähert sich nach US-Zwischenwahlen Rekord04.11.2026
  3. Front Month ICE Brent Crude Fell 13.32% This Week to Settle at $98.3206.11.2026
  4. ROUNDUP: US-Arbeitsmarkt entwickelt sich deutlich stärker als erwartet06.11.2026

Stand der Recherche: 6. November 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

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Marktbericht & WeltlageTobias Reinhardt

Tobias Reinhardt hat vierzehn Jahre lang Nachschub geplant - erst in Deutschland, dann in zwei Auslandseinsätzen. Was er von dort mitgebracht hat, ist eine Skepsis gegenüber der Erklärung, die zuerst kommt: In der Lageeinschätzung war die erste Meldung fast immer falsch, und die zweite auch.

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