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DAX über 26.000: Was passiert, wenn ein Angriff abgesagt wird

Der DAX schließt erstmals über 26.000 Punkten, der EURO STOXX 50 auf Rekord, Brent fällt um sechs Prozent. Auslöser ist eine einzige Nachricht aus Washington - und genau das ist das Problem an dieser Rally.

Tobias ReinhardtMarktbericht & Weltlage
4 Min Lesezeit

Der DAX hat am Montag zum ersten Mal über 26.000 Punkten geschlossen: 26.001,31 Zähler, ein Plus von 1,45 Prozent. Der MDAX legte 1,66 Prozent auf 32.511,21 zu, der SDAX 1,21 Prozent auf 18.524,47. Der EURO STOXX 50 erreichte mit 6.426,50 Punkten ein Rekordhoch, der ATX stieg um 1,93 Prozent auf 6.582,76. In den USA kletterte der Dow im Handelsverlauf auf rund 53.058 Punkte, der S&P 500 auf etwa 7.576.

Ausgelöst hat den Rekord im Wesentlichen eine einzige Nachricht: ein vorerst abgesagter US-Militärschlag gegen den Iran. Damit hängt ein Teil des neuen Kursniveaus an Gesprächen, deren Ausgang offen ist.

Was tatsächlich passiert ist

Über das Wochenende hat US-Präsident Trump den nach eigener Darstellung größten amerikanischen Militärschlag „seit dem Zweiten Weltkrieg“ gegen den Iran vorerst abgesagt und für Montagnachmittag Gespräche angekündigt. Parallel erklärte der iranische Außenminister Araghchi, die Verhandlungen zwischen Teheran und Oman über die Verwaltung der Straße von Hormus befänden sich „in der Endphase“.

Der Ölpreis reagierte deutlich: Brent fiel um rund sechs Prozent auf 82,41 Dollar. Zur Einordnung - Mitte Juli notierte Brent zeitweise über 100 Dollar, der DAX stand damals bei ungefähr 24.650 Punkten.

DAX
26.001+1,45 % · Rekordschluss
EURO STOXX 50
6.426+1,08 % · Rekord
Brent
82,41 $-6,0 % · Mitte Juli > 100 $
Bund 10 J.
3,14 %Freitag 3,20 % · Hoch 3,21 %
261362573125326249202451527.7.28.7.29.7.30.7.31.7.3.8.DAX, Schlussstände (Punkte)
DAX-Verlauf der Berichtswoche. Anfangs- und Endpunkt sind belegt (26.001,31 am 3. August), die Zwischenwerte sind zur Illustration interpoliert und ausdrücklich keine Kursdaten.

Was davon war eingepreist

Ein Kursanstieg von 1,45 Prozent im DAX entspricht rund 370 Punkten. Dass die Nachricht positiv ist, steht außer Frage. Offen ist, wie viel von diesen 370 Punkten an einer Verhandlung hängt, die noch nicht abgeschlossen ist.

Drei Beobachtungen dazu:

Erstens: Die Meerenge ist nicht offen. Sie ist Verhandlungsgegenstand. Der iranische Außenminister spricht davon, „mehr Schiffe durchzulassen“ - das ist kein Ende der Einschränkung, sondern eine graduelle Lockerung, über die noch verhandelt wird. Am 31. Juli fing Kuwait iranische Drohnen ab. Der Konflikt läuft.

Zweitens: Der Ölpreis fällt nicht nur wegen des Iran. Die OPEC+ hat über das Wochenende die Fördermengen für September zum sechsten Mal in Folge angehoben. Das ist eine Angebotsentscheidung, die unabhängig vom Konflikt wirkt und die im nächsten Monat weiterläuft, auch wenn die Gespräche scheitern.

Drittens: Die Zinsseite hat sich nicht mitbewegt. Die zehnjährige Bundrendite liegt bei 3,14 Prozent, am Freitag waren es 3,20 Prozent - nahe dem 15-Jahres-Hoch von 3,21 Prozent. Wenn Aktien auf eine Entspannung reagieren, aber der Rentenmarkt nur minimal, dann ist der Aktienmarkt entweder schneller oder unvorsichtiger. Welches von beidem, lässt sich erst hinterher sagen.

Falsifikationssatz

Meine Einordnung lautet: Diese Bewegung ist überwiegend eine Risikoprämien-Entspannung, also ein kleinerer Abschlag für geopolitische Unsicherheit, und keine Gewinnrevision. Sie wäre widerlegt, wenn die anstehenden Quartalszahlen dieser Woche breit über den Erwartungen ausfallen und die Kursreaktionen dort ähnlich stark sind wie am Montag. Dann trägt die Rally operativ und nicht nur geopolitisch.

Was diese Woche ansteht

Rund die Hälfte der 40 DAX-Konzerne berichtet. Damit gibt es genug Unternehmenszahlen, um die Nahost-Nachrichten als Kurstreiber abzulösen - zumindest theoretisch.

Termine 4. bis 7. August 2026 nach dpa-AFX-Wochenausblick. Einzelne Termine können abweichen; Beiersdorf und FMC berichteten bereits am 3. August.
TagUnternehmen und Daten
Di, 4.8.Bayer, Continental, Fresenius Medical Care, Zalando, BioNTech; SpaceX Q2 nach US-Schluss
Mi, 5.8.Fresenius, DHL Group, Siemens Energy, Vonovia, Infineon, Beiersdorf
Do, 6.8.Commerzbank, Deutsche Telekom, Merck KGaA, Siemens, Rheinmetall; Ende der SpaceX-Lockup-Frist
Fr, 7.8.Allianz, Daimler Truck, Munich Re; US-Arbeitsmarktbericht für Juli

Dazu kommen die europäischen Einkaufsmanagerindizes sowie deutsche Produktions- und Auftragseingangsdaten. Eine Notenbanksitzung findet diese Woche nicht statt - die EZB tagt erst am 9. und 10. September, die Fed am 15. und 16. September. Der nächste größere Datenpunkt für die Zinsseite ist der US-Verbraucherpreisindex am 12. August.

Was ich mir notiere

Zwei Zahlen, an denen sich diese Woche entscheidet, ob die Bewegung trägt: der Auftragseingang der deutschen Industrie und die Kursreaktion auf die Infineon-Zahlen am Mittwoch. Infineon hat in dreißig Tagen gut zwanzig Prozent verloren und steht seit Jahresbeginn dennoch über sechzig Prozent im Plus. An der Reaktion auf die Zahlen lässt sich ablesen, ob der Markt die Erwartungen hinter diesem Jahresplus noch für gedeckt hält.

Hinweis

Dieser Bericht ist eine Einordnung des Geschehens und keine Anlageberatung. Die genannten Kurse sind Schluss- beziehungsweise Intraday-Stände vom 3. August 2026 laut den unten angegebenen Quellen und können sich seither verändert haben.

Quellen

  1. Aktien Frankfurt Schluss: Nahost-Hoffnung treibt Dax über 26.000 Punkte03.08.2026
  2. Aktien Europa Schluss: Eurostoxx auf Rekordhoch - kein Angriff auf Iran03.08.2026
  3. Wochenausblick: Unternehmenszahlen könnten Dax auf Rekordkurs halten03.08.2026

Stand der Recherche: 3. August 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

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Marktbericht & WeltlageTobias Reinhardt

Tobias Reinhardt hat vierzehn Jahre lang Nachschub geplant - erst in Deutschland, dann in zwei Auslandseinsätzen. Was er von dort mitgebracht hat, ist eine Skepsis gegenüber der Erklärung, die zuerst kommt: In der Lageeinschätzung war die erste Meldung fast immer falsch, und die zweite auch.

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