SpaceX: Die größte Shortwette der Börsengeschichte trifft auf zwei Termine
Sieben Wochen nach dem Rekordbörsengang steht SpaceX rund 33 Prozent unter dem Stand von vor einem Monat. Ein Drittel des Streubesitzes ist leerverkauft. Diese Woche kommen die Quartalszahlen und das Ende der Lockup-Frist.
Am 12. Juni 2026 ging SpaceX zu 135 Dollar an die Börse - der größte Börsengang der jüngeren Geschichte. Die Aktie stieg bis auf 225,64 Dollar. Heute notiert sie bei rund 108 Dollar, etwa 33 Prozent unter dem Stand vor einem Monat und knapp über ihrem Tief seit der Erstnotiz. Vier Verlustwochen in Folge, über 500 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung seit dem Handelsstart verloren.
Aufschlussreicher als der Kurs ist die Positionierung dahinter: Rund ein Drittel der frei handelbaren Aktien ist leerverkauft, und in dieser Woche treffen die ersten Quartalszahlen auf das Ende der Lockup-Frist, ab dem Altaktionäre verkaufen dürfen.
Was eine Shortposition dieser Größe bedeutet
Nach Daten von S3 Partners waren zum 29. Juli 219,3 Millionen SpaceX-Aktien leerverkauft - rund 32 bis 34 Prozent des Streubesitzes, also der frei handelbaren Aktien, im Gegenwert von etwa 24,5 Milliarden Dollar. Mitte Juni waren es noch 23,3 Millionen Aktien. Die Position hat sich in sechs Wochen fast verzehnfacht. SpaceX hat damit Tesla als am stärksten leerverkaufte Aktie abgelöst.
Zum Mechanismus: Ein Leerverkäufer leiht sich Aktien, verkauft sie und muss sie später zurückkaufen. Steigt der Kurs, muss er teurer zurückkaufen - sein Verlust ist nach oben theoretisch unbegrenzt. Daraus entsteht ein Rückkaufzwang, der eine große Shortposition zu einer eigenen Marktkraft macht.
Leerverkäufer sind zwangsläufige Käufer. Jede leerverkaufte Aktie muss irgendwann zurückgekauft werden. Wenn ein Drittel des frei handelbaren Bestands leerverkauft ist, existiert eine latente Kaufnachfrage in dieser Größenordnung, die bei steigenden Kursen automatisch aktiv wird.
Das macht den Kurs nach unten schwerer und nach oben sprunghafter. Es sagt aber nichts darüber, ob die Leerverkäufer in der Sache recht haben - und in der Mehrzahl der Fälle liegen große Shortpositionen richtig.
Zwei Termine in derselben Woche
Dienstag, 4. August: Quartalszahlen. Erwartet wird ein Umsatz von 6,7 bis 6,9 Milliarden Dollar. Es sind die ersten Zahlen als börsennotiertes Unternehmen - es gibt also keine Historie, an der sich die Qualität der Prognosen messen ließe. Das erhöht die Unsicherheit der Kursreaktion in beide Richtungen.
Donnerstag, 6. August: Ende der Lockup-Frist. Bis zu 911,5 Millionen Aktien werden handelbar. Eine Lockup-Frist verpflichtet Altaktionäre, ihre Anteile für eine bestimmte Zeit nach dem Börsengang zu halten. Fällt sie, kann Angebot auf den Markt kommen, das vorher gesperrt war.
911,5 Millionen potenziell zusätzlich handelbare Aktien stehen einer Shortposition von 219,3 Millionen Aktien gegenüber. Das sind zwei sehr große Kräfte in entgegengesetzte Richtungen, terminlich zwei Tage auseinander.
Was die Analystenschätzungen dazu sagen
Wenig Verwertbares. Dreißig Analysten kommen im Konsens auf „Moderate Buy“ mit einem durchschnittlichen Kursziel von 239,04 Dollar. Die Spanne der Einzelziele reicht von 75 bis 800 Dollar.
Eine Spanne, bei der das höchste Ziel mehr als das Zehnfache des niedrigsten beträgt, ist keine Bewertung, sondern ein Eingeständnis. Sie besagt, dass es unter professionellen Beobachtern keinen belastbaren Konsens darüber gibt, was dieses Unternehmen wert ist. Ein Durchschnitt aus solchen Zahlen hat keinen Informationsgehalt.
Der größere Zusammenhang
SpaceX ist nicht der einzige Fall dieser Größenordnung. Das Handelsblatt hat darauf hingewiesen, dass SpaceX, OpenAI und Anthropic in den kommenden Monaten zusammen bis zu 200 Milliarden Dollar an der Börse einsammeln könnten. Genug Kapital wäre grundsätzlich vorhanden - aber Kapital, das in neue Emissionen fließt, muss vorher irgendwo abgezogen werden.
Für Anleger, die keine dieser Aktien halten, ist das der eigentlich relevante Punkt: Große Emissionen binden Liquidität und können zu Umschichtungen führen, die Kurse bewegen, ohne dass sich an den betroffenen Unternehmen etwas geändert hätte.
Dieser Beitrag beschreibt die Positionierung in einer Einzelaktie und ist ausdrücklich keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aktien kurz nach einem Börsengang sind besonders volatil; Leerverkäufe bergen unbegrenztes Verlustrisiko. Die genannten Zahlen stammen aus den unten angegebenen Quellen mit Stand 1. bis 3. August 2026.
Quellen
- SpaceX Aktie: Rekordwette gegen Musk03.08.2026
- SpaceX Aktie: 911,5 Millionen Aktien vor Lockup03.08.2026
- SpaceX Aktie: Short-Position auf 24,6 Milliarden Dollar01.08.2026
- Börsengänge: SpaceX, OpenAI, Anthropic - droht ein Liquiditätsengpass?2026
Stand der Recherche: 3. August 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.