Marktmechanik
AktienAktien-Check

SpaceX nach Q3: Was aus der Rekord-Shortwette wurde und welche Lockup-Tranche jetzt kommt

14,6 Milliarden Dollar Umsatz statt erwarteter 12,87 Milliarden und 4,4 Milliarden Gewinn. Im Sommer war ein Drittel des Streubesitzes leerverkauft. Die Wette ist schon im August zerfallen, die nächste Angebotswelle steht erst bevor.

Kilian ObermayrNebenwerte & fundamentales Screening
5 Min Lesezeit

SpaceX hat am Dienstagabend Zahlen für das dritte Quartal vorgelegt, die die Erwartungen deutlich übertreffen: 14,6 Milliarden Dollar Umsatz gegenüber einem Konsens von 12,87 Milliarden, ein Plus von 161 Prozent zum Vorjahr. Der Nettogewinn lag bei 4,4 Milliarden Dollar, erwartet waren 1,88 Milliarden. Die Aktie stieg nachbörslich um 7,3 Prozent auf 158,68 Dollar.

Im Sommer war rund ein Drittel der frei handelbaren Aktien leerverkauft. Diese Wette ist zum größten Teil schon im August zerfallen. Offen ist die nächste Angebotswelle: Unmittelbar nach den Q3-Zahlen darf laut Lockup-Kalender mehr als ein Viertel der bis dahin gesperrten Aktien verkauft werden.

Woher das Wachstum kommt

Größter Treiber war der Bereich Super Intelligence mit 7,6 Milliarden Dollar Umsatz bei erwarteten 6,3 Milliarden. Dahinter stehen Verträge mit Anthropic und Google über Rechenleistung aus dem Rechenzentrum Colossus II, mit denen SpaceX die Übernahme von xAI aus dem früheren Jahresverlauf zu Geld macht. Connectivity, im Wesentlichen Starlink, trug 5,2 Milliarden bei, das Raumfahrtgeschäft 1,8 Milliarden.

Das bereinigte EBITDA, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ohne Sondereffekte, stieg um 306 Prozent auf 8,8 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis lag bei 2,8 Milliarden nach einem Verlust von 273 Millionen ein Jahr zuvor. Operativ meldete SpaceX außerdem die erste kommerzielle Nutzlast der Starship-Rakete mit 26 Starlink-Satelliten der dritten Generation.

Umsatz Q3
14,6 Mrd. $Konsens 12,87 · +161 %
Nettogewinn Q3
4,4 Mrd. $Q2 noch -541 Mio. $
Investitionen Q3
19,6 Mrd. $davon 16,4 Mrd. für Rechenkapazität
Short-Quote
≈ 11 %Mitte August · Ende Juli 34 %

Was aus der Shortwette wurde

Nach dem Börsengang im Juni stieg die Zahl leerverkaufter Aktien von rund 23 Millionen auf zeitweise über 250 Millionen, etwa ein Drittel des Streubesitzes. Ein Leerverkäufer leiht sich Aktien, verkauft sie und muss sie später zurückkaufen; er verdient, wenn der Kurs fällt. Das Hauptargument der Shortseite war das Ende der ersten Lockup-Frist am 6. August. Eine Lockup-Frist sperrt die Aktien von Altaktionären für eine bestimmte Zeit nach dem Börsengang; danach durften bis zu 911,5 Millionen zusätzliche Aktien verkauft werden.

Gekommen ist es anders. Die Q2-Zahlen zeigten 7,8 Milliarden Dollar Umsatz, plus 92 Prozent, und einen fast halbierten Nettoverlust von 541 Millionen. Am Tag danach stieg die Aktie um mehr als 15 Prozent, auf Wochensicht um über 22 Prozent. Leerverkäufer mussten eindecken, also zurückkaufen, und haben den Anstieg damit verstärkt. Das Tief rund um das Lockup-Ende lag bei 105,19 Dollar.

Laut S3 Partners fiel der leerverkaufte Anteil am Streubesitz bis Mitte August von 34 auf rund 11 Prozent. Diese Zahl lese ich vorsichtig. Ein Teil des Rückgangs ist echte Eindeckung. Ein anderer Teil ist Mechanik: Mit dem Lockup-Ende wuchs der handelbare Bestand, und ein größerer Nenner senkt die Quote, auch wenn die absolute Zahl leerverkaufter Aktien kaum sinkt. Eine aktuelle Short-Zahl für Oktober habe ich nicht belastbar gefunden.

21.2515.9410.635.310.00Umsatz Q2Konsens Q3Umsatz Q3Capex Q3SpaceX: Umsatz und Investitionen (Mrd. USD)
Belegte Werte: Umsatz Q2 7,8 Mrd. USD (inv3st.de, 12.08.2026), Q3-Konsens 12,87 Mrd., Q3-Umsatz 14,6 Mrd. und Q3-Investitionen 19,6 Mrd. USD (Investing.com, 20.10.2026).

Der Kalender für die nächsten Wochen

Am 20. August wurde die nächste Tranche von 319 Millionen Aktien frei, rund 2,44 Prozent aller Aktien. Am 22. September stand die Aktie bei knapp 152 Dollar, nachdem sie in 30 Handelstagen um knapp 50 Prozent bis auf rund 158 Dollar gestiegen war. Der Fahrplan sah ab Ende September drei kleinere Freigaben im Abstand von zwei Wochen vor. Unmittelbar nach den Q3-Zahlen folgt die größte Tranche mit mehr als einem Viertel der bis dahin gesperrten Aktien, Anfang Dezember die Freigabe aller restlichen Anteile. Die genaue Stückzahl der jetzt anstehenden Tranche nennen meine Quellen nicht.

Für mich ist das die eigentliche Probe für die Zahlen von gestern. Ein Quartal mit 4,4 Milliarden Dollar Gewinn gibt Altaktionären einen guten Grund zu halten, aber auch einen guten Kurs zum Verkaufen. Welche Gruppe überwiegt, zeigt der Kurs der kommenden Wochen und nicht die Ergebnismitteilung.

Die Zahl, die mich mehr beschäftigt als der Umsatz

Die Investitionen lagen im Quartal bei 19,6 Milliarden Dollar und damit über dem Umsatz von 14,6 Milliarden. 16,4 Milliarden davon flossen in Rechenkapazität für den Bereich Super Intelligence, die Nennkapazität lag Ende September bei 1,7 Gigawatt. Der Umsatzsprung kommt also vor allem aus einem extrem kapitalintensiven Geschäft, dessen Kunden selbst KI-Unternehmen mit hohem Kapitalbedarf sind.

Im Nebenwertesegment kenne ich dieses Muster von Mittelständlern, die eine neue Halle für einen Großkunden bauen. Der erste Jahresumsatz mit diesem Kunden sieht gut aus. Wie viel die Halle wert ist, hängt aber davon ab, ob sie auch in drei Jahren ausgelastet ist. Elon Musk schrieb nach den Zahlen, ein Jahresumsatz von einer Billion Dollar im Jahr 2028 sei „nicht mehr unmöglich“, und brachte eine Fusion mit Tesla ins Spiel; beide Konzerne haben dafür unabhängige Sonderausschüsse eingesetzt.

Was ich nicht beurteilen kann

SpaceX ist kein Nebenwert, und ich habe bei dieser Aktie keinen Informationsvorsprung. Eine belastbare Bewertung des Bereichs Super Intelligence traue ich mir nicht zu, weil es für die Laufzeit und Verlängerung der Rechenzentrumsverträge keine öffentlichen Angaben gibt, die ich prüfen könnte.

Der nächste Prüfpunkt ist die große Lockup-Tranche direkt nach diesen Zahlen, der übernächste die Restfreigabe Anfang Dezember. Ich beobachte, ob die Aktie das zusätzliche Angebot oberhalb des Ausgabepreises von rund 135 Dollar aufnimmt.

Risikohinweis und Offenlegung

Dieser Beitrag ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Aktien kurz nach einem Börsengang sind besonders volatil, Lockup-Freigaben können erheblichen Verkaufsdruck auslösen. Alle Zahlen stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 21. Oktober 2026. Der Autor hält keine Position in SpaceX.

Quellen

  1. Anschnallen für den Short-Squeeze: Folgen Almonty und HelloFresh dem Raketenstart von SpaceX?12.08.2026
  2. SpaceX Aktie: Grok Bot startet als KI-Agent14.08.2026
  3. SpaceX vor dem Lock-up-Herbst: Absturz oder Orbit?22.09.2026
  4. SpaceX übertrifft Q3-Erwartungen deutlich: Umsatz springt dank Starlink und KI-Infrastruktur um 161 % an20.10.2026

Stand der Recherche: 21. Oktober 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

  • SpaceX
  • Quartalszahlen
  • Lockup
  • Leerverkäufe
  • KI-Infrastruktur
Nebenwerte & fundamentales ScreeningKilian Obermayr

Kilian Obermayr hat zwölf Jahre einen Schreinerbetrieb geführt und dabei gelernt, Bilanzen zu lesen, weil er musste. Als er 2014 anfing, dieselben Fragen an börsennotierte Unternehmen zu stellen, war der Sprung kleiner als erwartet: Deckungsbeitrag, Anlagenintensität und Auftragsvorlauf bleiben dieselben Größen.

Profil ansehen →
Newsletter

Das Briefing am Freitag

Die Beiträge der Woche, eine offene Methodenfrage und ein Verfahren, das wir getestet und verworfen haben. Keine Signale, keine Kursziele.

Demo-Formular ohne Datenverarbeitung