Marktmechanik
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Duration erklärt: Warum Anleihen fallen, wenn die Zinsen steigen

Im September stieg die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen auf 3,59 Prozent, europäische Anleihen verloren 1,87 Prozent. Eine französische Staatsanleihe bis 2057 fiel in vier Monaten von 100 auf 84 Prozent. Wie stark eine Anleihe reagiert, verrät eine einzige Zahl.

Franziska HollererGrundlagen & Anlegerbildung
4 Min Lesezeit

Wenn die Zinsen steigen, fallen die Kurse von Anleihen, die Sie schon besitzen. Wie stark, hängt fast vollständig von einer Kennzahl ab: der Duration. Sie sagt Ihnen, um wie viel Prozent der Kurs ungefähr fällt, wenn die Rendite um einen Prozentpunkt steigt. Der September 2026 hat das vorgeführt: Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen stieg um 24 Basispunkte auf 3,59 Prozent, und ein breiter Index europäischer Anleihen guter Bonität verlor 1,87 Prozent. Wer einen Anleihe-ETF besitzt, sollte dessen Duration kennen, bevor die nächste Zinsentscheidung kommt.

Warum Kurs und Rendite gegeneinander laufen

Ich erkläre es mit einem Beispiel, die Zahlen sind ausgedacht. Sie kaufen eine Anleihe für 100 Euro, die zehn Jahre lang jedes Jahr 2 Euro Zinsen zahlt. Diese feste Zinszahlung heißt Kupon. Ein Jahr später gibt der Staat neue Anleihen aus, die 3 Euro im Jahr zahlen. Niemand zahlt Ihnen dann noch 100 Euro für Ihre 2-Euro-Anleihe. Ein Käufer nimmt sie nur, wenn der Preis so weit sinkt, dass er insgesamt auf dieselbe Rendite kommt wie bei der neuen Anleihe.

Die Rendite ist also der Ertrag, den ein Käufer heute erwarten kann, wenn er die Anleihe bis zum Ende behält. Steigt sie, muss der Preis fallen. Das folgt aus der Rechnung und gilt für jede Anleihe mit festem Kupon.

Was die Duration misst

Hier kommt die Laufzeit ins Spiel. Bei einer Anleihe, die noch zwei Jahre läuft, verpassen Sie den höheren Zins nur zwei Jahre lang. Bei dreißig Jahren verpassen Sie ihn dreißig Jahre lang. Der Kursabschlag muss entsprechend größer ausfallen.

Die Duration fasst das in eine Zahl. Für den Alltag reicht diese Faustregel:

Faustregel

Kursänderung in Prozent ≈ minus Duration × Renditeänderung in Prozentpunkten. Eine Anleihe mit einer Duration von 8 verliert also rund 8 Prozent, wenn die Rendite um einen Prozentpunkt steigt. So steht es auch in der Erklärung des Merkur zur EZB-Erhöhung im September.

Ein Prozentpunkt sind 100 Basispunkte. Die 24 Basispunkte aus dem September sind also knapp ein Viertel Prozentpunkt.

2.46-3.39-9.25-15.11-20.96Geldmarkt2 Jahre5 Jahre10 Jahre30 JahreBeispielrechnung: Kursänderung bei +1 Prozentpunkt Rendite (%)
Beispielwerte, keine Marktdaten: näherungsweise Kursänderung einer neu ausgegebenen Anleihe mit jährlichem Kupon bei 3,5 % Rendite, wenn die Rendite um einen Prozentpunkt steigt (lineare Näherung über die modifizierte Duration). Tatsächliche Verluste fallen bei großen Sprüngen etwas kleiner aus.

Das Diagramm zeigt meine Beispielrechnung für neu ausgegebene Anleihen bei 3,5 Prozent Rendite. Die Duration ist immer kleiner als die Laufzeit, weil Sie unterwegs schon Zinsen bekommen. Bei kurzen Laufzeiten liegen beide Zahlen nah beieinander, bei dreißig Jahren beträgt die Duration in diesem Beispiel nur gut 18 Jahre. Geldmarktfonds, die sehr kurz laufende Papiere halten, haben eine Duration nahe null.

Die Zahlen von 2026 nachgerechnet

Bund 10 J. Ende Sept.
3,59 %+24 bp im September
EUR-Anleihen Sept.
-1,87 %Bloomberg EUR Aggregate
Frankreich 2057
84 %Kurs · vor vier Monaten 100 %
Bund 10 J. am 23.10.
3,36 %Vorwoche 3,41 %

Die Bundesanleihe im September. Bei einer Duration von gut 8 Jahren ergeben 24 Basispunkte nach der Faustregel ein Minus von knapp 2 Prozent. Das ist meine Überschlagsrechnung, kein gemeldeter Kurs.

Die französische Anleihe bis 2057. Laut Deutscher Börse fiel ihr Kurs in vier Monaten von 100 auf 84 Prozent des Nennwerts, die Rendite lag zuletzt bei rund 5,5 Prozent. Ein Verlust von 16 Prozent passt bei einer Laufzeit von gut dreißig Jahren zu einem Renditeanstieg von knapp einem Prozentpunkt. Auch das habe ich nur überschlagen.

Die Gegenrichtung. Die Faustregel gilt auch nach unten. Als die Bundrendite in der vergangenen Woche von 3,41 auf 3,36 Prozent sank, stieg der Kurs einer zehnjährigen Bundesanleihe um etwa 0,4 Prozent.

Was das für Ihr Depot bedeutet

Die Duration finden Sie im Datenblatt jedes Anleihe-ETFs und Anleihefonds, oft als „modifizierte Duration“. Ein Anleihefonds aus dem Monatsbericht von Eyb & Wallwitz nennt zum Beispiel eine modifizierte Duration von 5,2. Bei einem Renditeanstieg um einen Prozentpunkt müssten Sie dort also mit etwa 5 Prozent Kursverlust rechnen.

Ein Unterschied wird oft übersehen. Eine einzelne Anleihe bekommen Sie am Ende der Laufzeit zum Nennwert zurück, sofern der Schuldner zahlt. Ein Anleihe-ETF hat dagegen kein Ende: Er verkauft laufend ältere Papiere und kauft neue, damit seine Duration ungefähr gleich bleibt. Der Kursverlust wird deshalb nicht an einem festen Tag zurückgezahlt. Er wird über die Zeit durch die höheren Zinsen der neu gekauften Anleihen ausgeglichen, grob gesagt in einem Zeitraum, der der Duration entspricht.

Daraus folgt die Frage, die ich mir selbst stelle: In wie vielen Jahren brauche ich dieses Geld? Liegt die Antwort deutlich unter der Duration des ETFs, trage ich ein Kursrisiko, das ich bis dahin nicht aussitzen kann. Liegt sie darüber, sind steigende Renditen für mich auf lange Sicht eher eine gute Nachricht.

Hinweis

Dieser Beitrag erklärt eine Kennzahl und ist keine Anlageberatung. Die Werte im Diagramm und die Überschlagsrechnungen sind Beispielwerte. Marktdaten stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand bis 23. Oktober 2026.

Quellen

  1. Fondsreporting: Der Anleihemarkt übernimmt die Führung (Eyb & Wallwitz)12.10.2026
  2. Frankreichs Staatsanleihen geraten zunehmend unter Druck23.10.2026
  3. Einlagenzins steigt auf 2,5 Prozent: Was das für Ihr Depot bedeutet11.09.2026

Stand der Recherche: 26. Oktober 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

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Grundlagen & AnlegerbildungFranziska Hollerer

Franziska Hollerer hat zwanzig Jahre lang Zehnjährigen das Rechnen beigebracht. Ihre Überzeugung: Wenn man etwas nicht ohne Fachbegriffe erklären kann, hat man es selbst nicht verstanden. Diesen Maßstab legt sie auch an Finanzthemen an - und stellt fest, dass er selten erfüllt wird.

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