Marktmechanik
KryptoOn-Chain Report

Hashrate über 1 ZH/s, Erlös im Rückwärtsgang: Bitcoin-Mining im Oktober

Die Mining-Schwierigkeit stieg am 16. Oktober um 5,92 Prozent auf 140,58 Billionen, am Donnerstag dürften weitere rund 5 Prozent folgen. Der Kurs fällt gleichzeitig. Der Erlös je Petahash ist in einem Monat um rund 18 Prozent gesunken.

Selin KayadelenOn-Chain-Analyse & Krypto-Derivate
5 Min Lesezeit

Im Bitcoin-Netz arbeitet so viel Rechenleistung wie seit Monaten nicht, und der Kurs steht tiefer als vor vier Wochen. Das Sieben-Tage-Mittel der Hashrate lag zuletzt bei rund 1.075 Exahash pro Sekunde, 16 Prozent über dem Wert von vor 30 Tagen, während Bitcoin am Sonntag mit 80.163 Dollar 4,9 Prozent tiefer notierte. Die Folge ist ein fallender Erlös je Rechenleistung: Nach meiner Rechnung bringt die Blockprämie pro Petahash und Tag derzeit rund 33,6 Dollar, Ende September waren es gut 41. Ob daraus Verkaufsdruck durch Miner entsteht, lässt sich an einer Zahl ablesen, die erst Mitte November fällt, nämlich an der übernächsten Schwierigkeitsanpassung.

Drei Größen, die zusammengehören

Die Hashrate ist die gesamte Rechenleistung, die weltweit auf das Finden des nächsten Blocks verwendet wird. Ein Exahash pro Sekunde (EH/s) sind eine Trillion Rechenversuche, 1.000 EH/s ergeben ein Zettahash. Die Schwierigkeit, englisch Difficulty, legt fest, wie viele dieser Versuche im Schnitt für einen Block nötig sind. Das Protokoll passt sie alle 2.016 Blöcke automatisch an, damit im Mittel alle zehn Minuten ein Block entsteht. Der Hashprice schließlich ist der Tageserlös je Petahash pro Sekunde in Dollar, also je Tausendstel Exahash.

Seit dem Halving im April 2024 beträgt die Blockprämie 3,125 Bitcoin. Bei 144 Blöcken am Tag entstehen 450 neue Bitcoin täglich. Transaktionsgebühren spielen kaum eine Rolle: Im September machten sie 0,63 Prozent der gesamten Miner-Erlöse aus. Der Erlös hängt damit fast vollständig an zwei Größen, dem Kurs und der Schwierigkeit.

Difficulty
140,58 T+5,92 % am 16.10.
Hashrate (7 Tage)
≈ 1.075 EH/s+16 % in 30 Tagen
Hashprice 16.10.
36,75 $Ø September 39,38 $
Gebührenanteil
0,63 %der Miner-Erlöse im September

Die Schwierigkeit läuft dem Kurs davon

Die Reihe der letzten Anpassungen: 125,81 Billionen zu Beginn des Septembers, 127,45 am 5. September, 132,76 am 19. September, praktisch unverändert 132,72 am 3. Oktober, dann der Sprung um 5,92 Prozent auf 140,58 Billionen am 16. Oktober. Das war der höchste Wert seit dem 5. März und die drittgrößte Erhöhung des Jahres. Die nächste Anpassung fällt nach der Hochrechnung von mempool.space auf Donnerstag, den 29. Oktober, mit erwarteten plus 5,00 Prozent auf dann rund 147,6 Billionen.

Wie unsicher solche Hochrechnungen sind, zeigt ihre eigene Geschichte. Am 16. Oktober, als erst wenige Dutzend Blöcke der neuen Periode gefunden waren, kursierte eine Schätzung von 14,24 Prozent. Am Sonntag lag sie bei 5,00 Prozent. Eine Hochrechnung aus wenigen Blöcken ist Rauschen. Ich schaue sie mir erst an, wenn mindestens die Hälfte der Periode abgearbeitet ist; am Sonntagmittag waren es 66,9 Prozent.

149.8143.2136.7130.2123.61.9.5.9.19.9.3.10.16.10.29.10.*Bitcoin-Mining-Schwierigkeit (Billionen)
Schwierigkeit nach den Anpassungen seit Anfang September. Belegte Werte laut Simple Mining, Bitcoin.com und Cryptoticker. Der letzte Punkt (29.10.*) ist keine Messung, sondern die Hochrechnung von mempool.space mit Stand 25. Oktober (plus 5,00 Prozent).

Der Hashprice, selbst nachgerechnet

Ich rechne den Erlös je Rechenleistung lieber selbst, als ihn von einem Dashboard abzulesen, weil die Annahmen dann sichtbar bleiben. Die Näherung ohne Gebühren ist kurz:

python · hashprice.py
BLOCKPRAEMIE = 3.125   # BTC je Block seit April 2024
BLOECKE_TAG  = 144     # Sollwert, real schwankt er

def hashprice(kurs_usd, hashrate_ehs):
    '''USD je PH/s und Tag, ohne Transaktionsgebuehren.'''
    erloes_netz = BLOCKPRAEMIE * BLOECKE_TAG * kurs_usd
    return erloes_netz / (hashrate_ehs * 1000)   # 1 EH/s = 1.000 PH/s

print(round(hashprice(84582, 926), 2))    # vor 30 Tagen: 41.1
print(round(hashprice(80163, 1075), 2))   # 25. Oktober:  33.56

# Kurs, bei dem die heutige Hashrate den alten Hashprice erreicht
print(round(84582 / 926 * 1075))          # rund 98.200

Der Erlös je Petahash ist damit in 30 Tagen um rund 18 Prozent gefallen. Um den Stand von Ende September zu erreichen, müsste Bitcoin bei heutiger Hashrate auf etwa 98.200 Dollar steigen. Das ist keine Kursprognose, sondern eine Umkehrrechnung. Zum Vergleich mit gemessenen Werten: Der Hashprice inklusive Gebühren lag am 16. Oktober bei 36,75 Dollar, im September im Schnitt bei 39,38 Dollar und im August bei 34,74 Dollar. Meine Näherung liegt etwas darunter, weil sie weder Gebühren noch die zuletzt schnelleren Blockzeiten von rund 8 Minuten 45 Sekunden enthält.

Warum die Hashrate trotzdem steigt

Neue Rechenleistung ist eine Investitionsentscheidung, die Monate zurückliegt. Maschinen wurden bestellt und Standorte angemietet, als der Kurs höher war und der Hashprice von 34,74 Dollar im August auf fast 40 Dollar im September stieg. Wer jetzt einschaltet, setzt einen alten Plan um. Die Hashrate ist deshalb eine nachlaufende Größe; sie beschreibt das vergangene Halbjahr besser als die nächsten zwei Wochen.

Dazu kommt die Konzentration. Im September fanden Foundry USA, AntPool und F2Pool zusammen 60,31 Prozent aller Blöcke. Und ein Teil der börsennotierten Betreiber richtet sein Kapital neu aus: CleanSpark hat im September Anleihen über 2,276 Milliarden Dollar platziert und beschreibt sich inzwischen als Entwickler von Rechenzentren. Wer Stromanschlüsse an KI-Kunden vermieten kann, ist auf den Hashprice weniger angewiesen und muss bei fallendem Erlös nicht sofort Bitcoin verkaufen.

Woran ich Kapitulation erkennen würde

Miner-Kapitulation, also das Abschalten unrentabler Maschinen, zeigt sich zuerst in langsameren Blöcken und mit Verzögerung in einer sinkenden Schwierigkeit. Solange die Hashrate steigt, ist Verkaufsdruck durch Miner eine Vermutung und keine Beobachtung.

Zur Größenordnung: 450 neue Bitcoin am Tag entsprechen bei 80.163 Dollar rund 36 Millionen Dollar. An einem normalen Handelstag verschwindet das im Umsatz. Sichtbar wird es erst, wenn die Nachfrageseite gleichzeitig schwach ist.

Was ich bis Mitte November beobachte

Zwei Datenpunkte. Am Donnerstag die tatsächliche Anpassung gegen die erwarteten 5,00 Prozent: Fällt sie deutlich niedriger aus, haben Betreiber in den letzten Tagen bereits Maschinen vom Netz genommen. Und Mitte November die Anpassung danach. Sinkt die Schwierigkeit dort spürbar, hat der gesunkene Erlös die Betreiber erreicht, und die Frage verschiebt sich darauf, wie viel sie aus ihren Beständen verkaufen. Bis dahin behandle ich die Schere zwischen Hashrate und Kurs als Belastung im Hintergrund, nicht als Signal. Was mich dabei am meisten interessiert, ist die Veränderungsrate: Zwei Anhebungen um je rund fünf Prozent in einen fallenden Kurs hinein hat es in diesem Jahr noch nicht gegeben.

Risikohinweis

Kryptowährungen sind hochvolatil, ein Totalverlust ist möglich. Dieser Beitrag beschreibt Netzwerkdaten und ist keine Anlageberatung. Die Hashprice-Rechnung ist eine vereinfachte Näherung; alle übrigen Werte stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 2. bis 25. Oktober 2026.

Quellen

  1. Bitcoin Prognose: Die Mining-Schwierigkeit steigt am Donnerstag um 5 Prozent25.10.2026
  2. Bitcoin Mining Difficulty Jumps 5.92% in Third-Largest Hike of 202616.10.2026
  3. September 2026 Bitcoin Market Report: Price, ETF Flows and Mining02.10.2026

Stand der Recherche: 26. Oktober 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

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On-Chain-Analyse & Krypto-DerivateSelin Kayadelen

Selin Kayadelen hat zwölf Jahre auf einer Intensivstation gearbeitet. Monitoring, Trendkurven, Frühwarnsignale - die Denkweise hat sie mitgenommen, als sie 2017 begann, Blockchain-Daten auszuwerten. Ihr Satz dazu: Ein einzelner Wert bedeutet nichts, die Veränderungsrate bedeutet fast alles.

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