BASF nach Q3: Prognose zum zweiten Mal angehoben, Evonik sagt Nein
BASF erwartet nun 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro bereinigtes Ebitda und bietet 24 Euro je Evonik-Aktie. Evonik notiert bei 20,82 Euro und will nicht verhandeln. Was der Abstand von gut 15 Prozent über die Erfolgschancen sagt.
BASF hat am Mittwoch die Ergebnisprognose für 2026 zum zweiten Mal in diesem Jahr angehoben. Das bereinigte Ebitda, das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen ohne Sondereffekte, soll nun 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro erreichen statt 6,9 bis 7,7 Milliarden. Zwei Tage später hat Evonik das erhöhte Übernahmeangebot von 24 Euro je Aktie abgelehnt. Die Evonik-Aktie kostete am Freitagnachmittag 20,82 Euro.
Der Abstand zwischen Angebot und Kurs beträgt damit gut 15 Prozent. Für mich ist das die aufschlussreichste Zahl der Woche: Der Markt hält einen Abschluss zu 24 Euro für möglich, aber für alles andere als sicher.
Was im Quartal passiert ist
Der Umsatz stieg im dritten Quartal dank höherer Preise und Mengen um 14,2 Prozent auf 16,36 Milliarden Euro. Analysten hatten im Schnitt 15,67 Milliarden erwartet. Das operative Ergebnis übertraf mit 1,64 Milliarden Euro den Vorjahreswert von 1,43 Milliarden deutlich. Der Nettogewinn sank wegen Restrukturierungskosten um knapp 10 Prozent auf 155 Millionen Euro.
Schon im zweiten Quartal hatte BASF von Lieferunterbrechungen infolge des Nahostkonflikts profitiert: Die Verkaufspreise stiegen damals um 11,5 Prozent, die Mengen um 7,3 Prozent. Ein Teil des Rückenwinds kommt also von Wettbewerbern, die nicht liefern konnten. Diesen Teil würde ich nicht ohne Weiteres in die Zukunft fortschreiben.
Die Mitte der neuen Spanne liegt bei 7,6 Milliarden Euro und damit genau auf dem bisherigen Analystenkonsens. Die Anhebung bestätigt also, was der Markt ohnehin erwartete. Das passt dazu, dass die Aktie am Mittwochmorgen nur um 0,6 Prozent auf 52,44 Euro stieg. Das Ziel für den freien Mittelzufluss von 1,5 bis 2,3 Milliarden Euro blieb unverändert.
Das Angebot und die Absage
| Zeitpunkt | Ereignis | Einordnung |
|---|---|---|
| vor dem 23.10. | Erstes Angebot über 22,15 € je Aktie | abgelehnt |
| 23.10. | Erhöhung auf 24,00 € je Aktie | Eigenkapitalwert rund 11,2 Mrd. € |
| 28.10. | Kamieth nennt Zusammenschluss einen „logischen und sinnvollen Schritt“ | bei Vorlage der Q3-Zahlen |
| 30.10. | Evonik lehnt Verhandlungen ab | „rein informativer und vertraulicher Austausch“ möglich |
BASF reagierte auf die Absage mit dem Hinweis, die 24 Euro entsprächen einer Prämie von fast 40 Prozent auf den unbeeinflussten Schlusskurs vor den ersten Medienberichten. Dazu kommen Zusagen an die Belegschaft: Vorstandschef Markus Kamieth hatte erklärt, betriebsbedingte Kündigungen blieben bis 2032 ausgeschlossen, Tarifverträge und Sozialpartnerschaft unangetastet.
Was der Abschlag über die Chancen sagt
Bei Übernahmen im Nebenwertesegment halte ich den Abschlag zwischen Angebotspreis und Börsenkurs für die ehrlichste Einschätzung, die es zu einem Deal gibt. Gälte der Abschluss als sicher, läge Evonik knapp unter 24 Euro. Bei 20,82 Euro liegt das Angebot rund 15,3 Prozent über dem Kurs. Das ist meine eigene Rechnung, keine gemeldete Zahl.
Die Erklärung steckt in der Aktionärsstruktur. Die RAG-Stiftung hält rund 43 Prozent der Evonik-Aktien. Sie finanziert die Ewigkeitskosten des 2018 eingestellten Steinkohlebergbaus und hat deshalb ein Interesse an einem guten Preis. Ihr Kuratorium hat aber 13 Mitglieder, überwiegend Politikerinnen und Politiker. Automatisch dabei sind die Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen und dem Saarland, die Bundesminister für Wirtschaft und Finanzen sowie der Vorsitzende der IG BCE. Bei einer Übernahme in der ohnehin kriselnden deutschen Chemie spielen dort Arbeitsplätze eine Rolle, die in keiner Bewertungsrechnung auftauchen.
Ich lese den Abschlag als Zweifel am Zustandekommen des Deals. Widerlegt wäre das, wenn BASF nachbessert und der Abschlag trotzdem nicht kleiner wird. Dann zweifelt der Markt an etwas anderem, zum Beispiel an der kartellrechtlichen Freigabe.
Was das für BASF-Aktionäre heißt
Zum 30. Juni verfügte BASF über rund 7,8 Milliarden Euro an Barmitteln, gut fünf Milliarden mehr als ein Jahr zuvor. Einen Teil des Kaufpreises könnte der Konzern daraus zahlen, den Rest vermutlich über neue Schulden. Gleichzeitig gilt das Ziel, von 2025 bis 2028 mindestens zwölf Milliarden Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe auszuschütten, und für 2026 eine Dividende von mindestens 2,25 Euro je Aktie.
Rechnerisch geht beides zusammen. Der Spielraum wird aber kleiner, falls die Preisvorteile aus dem Nahostkonflikt wegfallen. Am Freitag gab die BASF-Aktie nach der Absage moderat nach.
Offen bleibt, ob BASF das Angebot erhöht, direkt auf die RAG-Stiftung zugeht oder es beim angebotenen Austausch belässt. Bis eine dieser Varianten öffentlich wird, beobachte ich den Abschlag bei Evonik. Wird er kleiner, rechnet der Markt mit einer zweiten Runde.
Dieser Beitrag ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Übernahmesituationen können sich kurzfristig ändern; Kurse von Zielgesellschaften fallen bei einem Scheitern oft deutlich. Alle Zahlen stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 30. Oktober 2026. Der Autor hält keine Position in BASF oder Evonik.
Quellen
- BASF-Aktie vor den Zahlen: Wird die Milliardenübernahme zur Gefahr für die Dividende?27.10.2026
- DAX - BASF und Deutsche Bank überzeugen vor der Fed28.10.2026
- ROUNDUP 3: Evonik stellt sich gegen Übernahme durch BASF - Tür aber offen30.10.2026
Stand der Recherche: 30. Oktober 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.