Kursrutsch, Korrektur oder Crash? Der 5. November 2026 eingeordnet
Der Nasdaq 100 verlor am Donnerstag 6,4 Prozent, der Halbleiterindex 12 Prozent. Der S&P 500 lag am Abend trotzdem nur knapp 6 Prozent unter seinem Hoch. Was die Wörter Kursrutsch, Korrektur, Bärenmarkt und Crash bedeuten, und welches davon passt.
Am Donnerstag, dem 5. November, verlor der Nasdaq 100 laut Bloomberg 6,4 Prozent, so viel wie seit März 2020 an keinem Tag. Der S&P 500 gab 4,4 Prozent nach. In vielen Schlagzeilen hieß das „Crash“. Am Abend lag der S&P 500 aber nur knapp 6 Prozent unter seinem Rekord, der DAX nach dem Freitag gut 3 Prozent. Ob ein Rückgang ein Crash ist, hängt davon ab, woran man misst: an einem Tag oder am Abstand zum Hoch. Für den Crash gibt es keine feste Definition, für Korrektur und Bärenmarkt gibt es gängige Schwellen. Wenn Sie diese kennen, können Sie Schlagzeilen selbst einordnen.
Vier Wörter, vier Maßstäbe
| Begriff | Gemessen an | Übliche Schwelle |
|---|---|---|
| Kursrutsch | einem Tag oder wenigen Tagen | keine, umgangssprachlich |
| Korrektur | Abstand zum letzten Hoch | mindestens 10 % |
| Bärenmarkt | Abstand zum letzten Hoch | mindestens 20 % |
| Crash | Tempo und Ausmaß | keine feste Definition |
Ich benutze das Wort Crash nur, wenn ein großer Rückgang in sehr kurzer Zeit passiert und der Abstand zum Hoch dabei auch groß wird. Ein einzelner sehr schlechter Tag reicht mir nicht, wenn der Markt davor auf einem Rekord stand.
Was am 5. November passiert ist
Bei den US-Zwischenwahlen am 3. November gewannen die Demokraten beide Kammern des Kongresses. Am Mittwoch stieg der DAX deshalb zunächst um 2,2 Prozent. Am Donnerstag setzte sich eine andere Lesart durch: Die neuen Mehrheiten könnten den Bau von KI-Rechenzentren bremsen. In Texas hatte die gewählte Gouverneurin im Wahlkampf ein Moratorium für neue Rechenzentren angekündigt, in mehreren Bundesstaaten stimmten Bürger für strengere Regeln.
Der Dow Jones verlor 3,44 Prozent, alle 30 Werte schlossen im Minus. Nvidia fiel um mehr als 9 Prozent, AMD um 17,26 und Micron um 17,46 Prozent. Der VIX, ein Index für die erwarteten Schwankungen des S&P 500, stieg laut Focus um knapp 70 Prozent auf 28,18 Punkte. Die Unternehmen im S&P 500 verloren zusammen rund 2,9 Billionen Dollar an Börsenwert, gemessen in Dollar der größte Tagesverlust in der Geschichte des Index. In Prozent war er das nicht. Absolute Beträge wachsen mit der Größe des Marktes, deshalb sagen Rekorde in Dollar wenig.
Wie tief es wirklich ist
Legt man die Schwellen aus der Tabelle an, ergibt sich ein gemischtes Bild. Der Halbleiterindex liegt mehr als 38 Prozent unter seinem Hoch vom 22. Juni und ist damit in einem Bärenmarkt. Der Nasdaq 100 liegt fast 15 Prozent unter seinem Rekord vom 6. Oktober, der Nasdaq Composite fast 12 Prozent: beide in einer Korrektur. Der S&P 500 erfüllt mit knapp 6 Prozent keine der beiden Schwellen. Der DAX hatte am Donnerstag noch ein Rekordhoch knapp unter 26.700 Punkten erreicht und schloss am Freitag bei 25.820 Punkten, nach meiner Rechnung gut 3 Prozent darunter.
Ein Teil des Marktes erlebt also einen Bärenmarkt, der breite Markt einen schlechten Tag. Welches Wort passt, hängt davon ab, was Sie besitzen.
Warum die Zahlen je nach Quelle abweichen
Beim Recherchieren bin ich über unterschiedliche Zahlen für denselben Tag gestolpert. Ein Bericht vom Donnerstagabend nannte für den S&P 500 ein Minus von 3,66 Prozent als „Schlusskurs“, für den VIX ein Plus von knapp 46 Prozent. Am Freitag lagen die Schlusswerte bei 4,36 Prozent und knapp 70 Prozent. Der Bericht war vor dem US-Handelsschluss um 22 Uhr deutscher Zeit erschienen. Dazu kommt, dass manche Quellen den Nasdaq 100 nennen und andere den breiteren Nasdaq Composite. Wenn Sie Zahlen vergleichen, prüfen Sie Uhrzeit und Index.
Was Wahlen mit Börsen machen
Dasselbe Wahlergebnis wurde innerhalb von 48 Stunden zweimal entgegengesetzt bewertet. Eine Wahl verändert keine Unternehmensgewinne über Nacht. Sie verändert die Erwartungen an einzelne Branchen, hier an KI-Infrastruktur und Rüstung, und diese Erwartungen werden in den ersten Tagen hin und her geschoben. Bloomberg berichtet außerdem von Zwangsverkäufen: Fonds, die mit geliehenem Geld arbeiten, mussten Positionen auflösen, und so fielen auch Aktien, die mit KI wenig zu tun haben.
Für Ihr eigenes Depot folgt daraus eine Prüfung, die keine Prognose braucht. Schauen Sie nach, wie hoch der Anteil großer US-Technologiewerte in Ihrem Welt-ETF ist. Er entscheidet, ob für Sie gerade ein schlechter Tag war oder der Anfang einer Korrektur. Ob daraus ein Bärenmarkt wird, weiß heute niemand.
Dieser Beitrag erklärt Begriffe und ordnet Kursbewegungen ein. Er ist keine Prognose und keine Anlageberatung. Alle Werte beziehen sich auf den 5. und 6. November 2026 laut den unten genannten Quellen und können sich seither verändert haben.
Quellen
- Wall Street stürzt ab: Nasdaq 100 fällt über 6%, Nvidia mehr als 9% (Bloomberg)06.11.2026
- Fast 3 Billionen Dollar weg: KI-Börsencrash eröffnet Chancen06.11.2026
- Tech-Ausverkauf an der Wall Street trifft Nvidia und Chipwerte05.11.2026
- n-tv: Der Börsen-Tag Freitag, 6. November 202606.11.2026
Stand der Recherche: 6. November 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.