KI-Ausverkauf am 5. November: Was der Nasdaq-Einbruch für Infineon und DACH-Tech heißt
Der Nasdaq 100 verlor am Donnerstag 6,4 Prozent, so viel wie seit März 2020 nicht, der Halbleiterindex SOX mehr als 12 Prozent. Am Freitag fiel der DAX 1,92 Prozent vom Rekord zurück. Welche deutschen Werte am selben Hebel hängen und welche nicht.
Der Nasdaq 100 hat am Donnerstag, dem 5. November, 6,4 Prozent verloren. Das ist der stärkste Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020. Der Halbleiterindex SOX, der die Kurse der großen US-Chipwerte bündelt, fiel um mehr als 12 Prozent, der S&P 500 hatte seinen schwärzesten Tag seit April 2025. Am Freitag erreichte die Bewegung Frankfurt: Der DAX schloss 1,92 Prozent tiefer bei 25.820,36 Punkten, nachdem er am Vortag noch ein Rekordhoch bei 26.692 Punkten markiert hatte.
Getroffen hat es vor allem Unternehmen, deren Umsatz am Bau neuer Rechenzentren in den USA hängt. Für Anleger im DACH-Raum lohnt deshalb ein Blick darauf, wie direkt der Auftragseingang eines Unternehmens an amerikanischen Baugenehmigungen hängt. Bei Infineon ist diese Verbindung eng, bei SAP deutlich lockerer.
Was den Ausverkauf ausgelöst hat
Bei den Zwischenwahlen am 3. November haben die Demokraten beide Kammern des US-Kongresses gewonnen. Die Partei steht künstlicher Intelligenz skeptischer gegenüber als die Republikaner. Schon im Wahlkampf gab es Widerstand gegen neue Rechenzentren: wegen ihres Stromverbrauchs, der die Energiepreise für Haushalte treibt, wegen Lärm und Wasserknappheit. Diskutiert werden außerdem höhere Abgaben auf die Gewinne von KI-Unternehmen. Timo Emden von CapTrader beschrieb die Lage so: Auf der einen Seite stehe die Erleichterung über das eindeutige Wahlergebnis, auf der anderen die Sorge, dass eine strengere KI-Regulierung neue Wachstumsbremsen bringe.
Über Nacht lief die Welle durch Asien. Der Nikkei 225 fiel am Freitagmorgen um mehr als 6 Prozent, in Südkorea musste der Handel zeitweise ausgesetzt werden.
Der Abverkauf hat allerdings nicht am Donnerstag begonnen. Nvidia verlor am 5. November knapp 10 Prozent, auf Sicht von 30 Tagen aber rund 25 Prozent. Bei Marvell stehen minus 16,3 Prozent am Tag und mehr als 50 Prozent in 30 Tagen, bei Dell knapp 15 Prozent am Tag und rund 47 Prozent im Monat. Die Wahl hat eine Bewegung beschleunigt, die vorher schon lief.
Wo es in Frankfurt ankam
Infineon verlor am Donnerstag zeitweise mehr als 8 Prozent. Auch Siemens Energy und der Baukonzern Hochtief, deren Kurse vom Rechenzentrumsbau getragen worden waren, gaben nach. Am Freitagmorgen erholten sich die Titel teilweise. Hochtief schloss am Freitag sogar 5,5 Prozent höher, allerdings aus einem eigenen Grund: Laut Bloomberg erwägt der spanische Mehrheitsaktionär ACS, der gut 75 Prozent hält, eine Komplettübernahme oder eine Fusion. Der MDAX verlor am Freitag 0,81 Prozent auf 30.642,23 Punkte und damit weniger als der DAX.
Ich sortiere die betroffenen Werte nach dem Übertragungsweg, also danach, über welchen Kanal eine Bremse beim US-Rechenzentrumsbau in ihren Zahlen ankäme:
| Wert | Übertragungsweg | Bewegung laut Quellen |
|---|---|---|
| Infineon | Leistungshalbleiter für die Stromversorgung von Rechenzentren | zeitweise mehr als -8 % am 5.11. |
| Siemens Energy | Kraftwerks- und Netztechnik für zusätzlichen Strombedarf | Verluste am 5.11., teils Erholung am 6.11. |
| Hochtief | Bau von Rechenzentren über das US-Geschäft | Verluste am 5.11., +5,5 % am 6.11. nach ACS-Bericht |
| SAP | indirekt über IT-Budgets der Kunden | keine Einzelzahl ausgewertet |
SAP steht bewusst in einer eigenen Zeile. Ein Softwarehaus verkauft keine Komponenten für Gebäude, die erst genehmigt werden müssen, es hängt an den Budgets seiner Kunden. Eine Verzögerung beim Bau träfe SAP deshalb später und schwächer als einen Zulieferer von Leistungshalbleitern. Das ist eine Einschätzung, keine gemessene Größe; eine belastbare Tagesbewegung der SAP-Aktie habe ich für diesen Beitrag nicht ausgewertet.
Was ich daraus ableite
Aus meiner Zeit als Schreiner kenne ich Bauherren, die schon vor dem Bauantrag zögern. Wenn sie dann absagen, nennen sie gern das Bauamt als Grund. Übertragen auf diese Woche: Der Rückgang von rund 25 Prozent in dreißig Tagen bei Nvidia war vor der Wahl da. Das Wahlergebnis hat einem Markt, der sich ohnehin fragte, ob sich die enormen KI-Investitionen rechnen, einen konkreten Anlass geliefert.
Für Infineon heißt das zweierlei. Der Konzern ist direkt betroffen, falls in den USA weniger Rechenzentren gebaut werden. Gleichzeitig ist bislang nichts beschlossen. Die Finanzexpertin Lisa Hassenzahl wies gegenüber der ARD darauf hin, es bleibe abzuwarten, ob sich Präsident Trump am Ende durchsetze. Der Kurs preist eine Möglichkeit ein, keine Tatsache.
Ob und wann es zu strengeren Regeln für Rechenzentren kommt, kann ich nicht abschätzen. Ich bin auf Nebenwerte spezialisiert und habe bei Halbleitern mit hoher Analystenabdeckung keinen Informationsvorsprung. Die Sortierung nach Übertragungsweg hilft beim Lesen der nächsten Quartalsberichte. Einen Kurs sagt sie nicht voraus.
Was als Nächstes kommt
Der nächste Termin mit Wirkung auf Tech-Aktien ist ein Zinsdatum. Am Dienstag erscheinen die US-Inflationsdaten für Oktober. Thomas Gitzel von der VP Bank erwartet einen Anstieg der Inflationsrate auf vier Prozent und rechnet damit, dass die Fed den Leitzins im Dezember anhebt. Höhere Zinsen belasten hoch bewertete Wachstumswerte zusätzlich, weil deren Gewinne weiter in der Zukunft liegen und stärker abgezinst werden.
Parallel wackelt der geplante Börsengang von Anthropic. Laut Reuters drängen potenzielle Investoren auf eine niedrigere Bewertung als die zuletzt diskutierten 1,5 Billionen Dollar, die für die kommende Woche geplante Werbetour bei Geldgebern könnte auf der Kippe stehen. Eine Emission dieser Größe bindet Kapital, das an anderer Stelle im Tech-Sektor fehlt.
Am Dienstag schaue ich auf zwei Dinge: die Inflationszahl selbst und darauf, ob Infineon und Siemens Energy an diesem Tag mit dem SOX fallen oder sich davon lösen. Lösen sie sich, handelt der Markt die deutschen Werte wieder nach eigenen Zahlen.
Dieser Beitrag ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Halbleiter- und Technologiewerte sind derzeit außergewöhnlich volatil; erhebliche Verluste sind möglich. Alle Kurs- und Indexangaben stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 6. November 2026 und können sich seither verändert haben. Der Autor hält keine Position in den genannten Werten.
Quellen
- DAX-FLASH: Tech-Einbruch in den USA bringt Gewinnmitnahmen nach Rekord06.11.2026
- ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax fällt wegen KI-Panik vom Rekord zurück06.11.2026
- Tech-Ausverkauf an Börsen: Ist der KI-Boom jetzt zu Ende?06.11.2026
- KI-Aktien stürzen ab: War das schon der Crash?06.11.2026
Stand der Recherche: 6. November 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.