Prognose-Screening KW 45: Vier Anhebungen, fünf Senkungen in der zweiten Reihe
13 Nebenwerte-Meldungen dieser Woche mit Bezug zur Jahresprognose: vier Anhebungen, fünf Senkungen, vier Bestätigungen. TeamViewer verlor nach der Kappung mehr als ein Viertel, Stabilus 12 Prozent, JOST gewann 4,5 Prozent.
In der ersten Novemberwoche haben deutsche Nebenwerte reihenweise ihre Ziele angepasst. In den 13 Meldungen vom 2. bis 5. November, die ich ausgewertet habe, stehen vier Anhebungen, fünf Senkungen und vier Bestätigungen. Die Kursreaktionen fielen ungleich aus: TeamViewer verlor nach der Kappung mehr als ein Viertel, Stabilus 12 Prozent, JOST Werke gewann nach der Anhebung 4,5 Prozent.
Diese Asymmetrie interessiert mich an der Woche am meisten. Eine Senkung kostet in der zweiten Reihe offenbar deutlich mehr, als eine Anhebung bringt. Bei neun Prognoseänderungen, von denen nur drei eine bezifferte Kursreaktion haben, ist das eine Beobachtung und kein Befund.
Zeitraum: Unternehmensmeldungen vom 2. bis 5. November 2026, Kursreaktionen bis zum 6. November. Universum: Werte aus MDAX, SDAX und TecDAX sowie kleinere börsennotierte Titel, soweit sie in den Tagesberichten von nebenwertewelt.de und im Marktbericht von dpa-AFX vorkommen. Kriterium: ausdrückliche Änderung oder Bestätigung einer Jahres- oder Mittelfristprognose. Eine Kursreaktion trage ich nur ein, wenn sie in einer der Quellen beziffert ist.
Die Liste ist nicht vollständig: Meldungen, die in diesen Quellen nicht auftauchen, fehlen. Die Senkungen bei init und Hugo Boss kenne ich nur aus Überschriften der Tagesberichte und habe sie ohne Details aufgenommen.
Wer was geändert hat
| Unternehmen | Änderung | bisher → neu | Reaktion |
|---|---|---|---|
| TeamViewer | Umsatz 2026 gesenkt | nun -1 bis -2 % währungsbereinigt | > -25 % |
| Stabilus | Ziele 2030 gesenkt | Umsatz ≈ 2 Mrd. → ≈ 1,5 Mrd. € | -12 % |
| Rational | Umsatz am unteren Rand | EBIT-Ziel 340-360 Mio. € bestätigt | n. b. |
| init, Hugo Boss | gesenkt | Details nicht ausgewertet | n. b. |
| JOST Werke | Umsatz und EBIT 2026 erhöht | einstellig → Umsatz +9 bis 11 % | +4,5 % |
| Siltronic | Umsatz 2026 erhöht | Rückgang → Vorjahresniveau 1,35 Mrd. € | n. b. |
| Deutsche EuroShop | EBIT und FFO erhöht | FFO 134-142 → 144-149 Mio. € | n. b. |
| SNP | Umsatz und EBIT erhöht | mittel- bis hoch einstellig → bis niedrig zweistellig | n. b. |
| Auto1, Nordex, SUSS, Krones | bestätigt | Krones und SUSS hatten bereits im Oktober angepasst | n. b. |
Die Senkungen im Detail
TeamViewer rechnet für 2026 nun mit einem währungsbereinigten Umsatzrückgang von 1 bis 2 Prozent, weil Großkunden Abschlüsse verschieben. Die Aktie brach um mehr als ein Viertel ein und belastete den SDAX, der an diesem Tag 1,1 Prozent verlor.
Stabilus hat die Prognose für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr erreicht, der Umsatz sank nach vorläufigen Zahlen von 1,296 auf 1,198 Milliarden Euro bei einer bereinigten operativen Marge von 10,4 Prozent. Belastend ist der Ausblick. Wegen schwächerer Nachfrage in Amerika schreibt das Unternehmen rund 67 Millionen Euro auf den Firmenwert ab. Eine solche Abschreibung kostet kein Geld, drückt aber das ausgewiesene EBIT, also das Ergebnis vor Zinsen und Steuern, auf rund 64 Millionen Euro. Für 2030 peilt der Vorstand nur noch rund 1,5 statt etwa 2 Milliarden Euro Umsatz an, die Dividende soll von 0,35 auf 0,22 Euro sinken, damit Schulden abgebaut werden können.
Rational steigerte den Quartalsumsatz um 6 Prozent auf 332,2 Millionen Euro und das EBIT um 13 Prozent, peilt beim Jahresumsatz aber nur noch den unteren Rand der bisherigen Spanne an.
Die Anhebungen im Detail
JOST Werke steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 11,3 Prozent auf 426,3 Millionen Euro und das bereinigte EBIT um 11,8 Prozent auf 41,6 Millionen. Für 2026 erwartet das Unternehmen nun 9 bis 11 Prozent mehr Umsatz und 11 bis 14 Prozent mehr bereinigtes EBIT; bisher waren einstellige Zuwächse angepeilt. Für das vierte Quartal rechnet JOST allerdings mit steigenden Kosten.
Siltronic erwartet nach einem Umsatzplus von gut 18 Prozent im dritten Quartal nun einen Jahresumsatz auf Vorjahresniveau von 1,35 Milliarden Euro statt eines Rückgangs. Netto bleibt ein Verlust von 55 Millionen Euro, vor allem wegen Abschreibungen auf die Fabrik in Singapur. Deutsche EuroShop hebt die FFO an, die Mittel aus dem laufenden Geschäft und die zentrale Kennzahl für Immobilienfirmen. Diese Anhebung wiegt schwerer als die beim EBIT, weil dort ein Einmaleffekt aus aufgelösten Steuerrückstellungen mitspielt. SNP hob die Ziele für Umsatz und EBIT am Abend des 4. November an.
Warum ich die Reaktionen vorsichtig lese
Die Woche hatte einen starken Störfaktor. Am 5. November fiel der SDAX im Zuge des KI-Ausverkaufs um 1,39 Prozent auf 18.012,80 Punkte, am 6. November der DAX um 1,92 Prozent. Die Reaktionen von Stabilus und JOST fielen auf diesen Freitag. Ein Plus von 4,5 Prozent an einem solchen Tag ist bemerkenswerter, als die Zahl allein zeigt; ein Minus von 12 Prozent enthält vermutlich einen Teil Marktbewegung.
Dazu kommt die Liquidität, die im Nebenwertesegment am häufigsten unterschätzte Größe. Bei geringen Handelsumsätzen reicht eine Handvoll Verkäufer, um nach einer Senkung einen großen Tagesverlust zu erzeugen. Käufer nach einer Anhebung kommen meist langsamer, weil sie die Zahlen erst prüfen. Das würde die Asymmetrie erklären, belegt ist es mit diesen Daten nicht.
Für mein eigenes Screening notiere ich zwei Fälle zur Nachbeobachtung: Stabilus, weil eine gekürzte Dividende zum Schuldenabbau eine Aussage über die Bilanz ist, und JOST, weil die angekündigten Kosten im vierten Quartal zeigen werden, wie viel der Anhebung im Ergebnis ankommt.
Ich führe die Liste mit den Meldungen der kommenden Wochen fort. Ob das Verhältnis von fünf Senkungen zu vier Anhebungen hält oder kippt, sagt mehr über die Lage in der zweiten Reihe als jede einzelne Kursreaktion dieser Woche.
Dieses Screening ist keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Nebenwerte sind oft wenig liquide und können nach Unternehmensmeldungen stark schwanken. Alle Angaben stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 6. November 2026 und können sich seither verändert haben. Der Autor hält keine Position in den genannten Werten.
Quellen
- Der Nebenwerte-Tag: Siltronic hebt Prognose, Auto1 verdient mehr, dazu Basler und ZEAL04.11.2026
- Der Nebenwerte-Tag: SNP hebt Prognose an, Deutsche EuroShop erhöht Ergebnisziele, dazu Nordex, SUSS und Rational05.11.2026
- Der Nebenwerte-Tag: Stabilus kappt Ziele für 2030, JOST hebt Prognose, dazu Krones und freenet06.11.2026
- ROUNDUP/Aktien Frankfurt Schluss: Dax fällt wegen KI-Panik vom Rekord zurück06.11.2026
Stand der Recherche: 6. November 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.