Wann im FDAX tatsächlich Volumen läuft - und warum das die Kosten bestimmt
Rund zwei Drittel des Tagesvolumens läuft in drei Zeitfenstern. Wer außerhalb handelt, zahlt einen Spread, den er nicht sieht - und der über das Jahr mehr kostet als die Kommission.
Handelsvolumen ist über den Tag extrem ungleich verteilt. Das weiß im Prinzip jeder, aber die wenigsten ziehen die Konsequenz daraus, und die ist eine Kostenfrage: Wer außerhalb der liquiden Fenster handelt, zahlt einen weiteren Spread, der sich übers Jahr auf die Größenordnung der gesamten Kommission summieren kann.
Die drei Fenster
Im FDAX, dem DAX-Future an der Eurex, konzentriert sich das Volumen auf drei Zeiträume, und dazwischen liegen Phasen, in denen kaum etwas läuft.
| Zeitfenster | Anteil | Was passiert |
|---|---|---|
| 09:00 - 10:00 | ≈ 18 % | Xetra-Eröffnungsauktion und Verarbeitung der Übernachtnachrichten |
| 10:00 - 14:00 | ≈ 22 % | die dünnste Phase, oft mit der Mittagsflaute ab 12 Uhr |
| 14:30 - 16:30 | ≈ 34 % | US-Daten und US-Eröffnung - das dichteste Fenster |
| 17:20 - 17:35 | ≈ 14 % | Xetra-Schlussauktion, mit Abstand die höchste Minutendichte |
| Rest bis 22:00 | ≈ 12 % | nachbörslich, deutlich weitere Spreads |
Warum das Geld kostet
Der Spread - die Differenz zwischen bestem Kauf- und Verkaufskurs - ist keine feste Größe. Er hängt daran, wie viele Marktteilnehmer gleichzeitig Liquidität stellen. In der Mittagsphase ist er im FDAX typischerweise doppelt so weit wie um 15 Uhr, und die Tiefe hinter der ersten Preisebene ist deutlich geringer. Größere Orders rutschen dann eher in schlechtere Kurse; dieser Aufpreis heißt Slippage.
100 × 2 × 0,5 Tick × 12,50 € = 1.250 € pro Kontrakt und Jahr
Das ist in der Größenordnung der gesamten Kommission - und vollständig vermeidbar.
Diese 1.250 Euro sind der Grund, warum ich Ausführungszeitpunkte inzwischen protokolliere. Nicht um bessere Einstiege zu finden, sondern um zu sehen, wie viel ich für Bequemlichkeit bezahle.
Eine Auffälligkeit am Freitag
In der Darstellung sticht der Freitag heraus: Die Schlussauktion ist dort deutlich größer als an anderen Tagen. Der Grund ist mechanisch - an Freitagen laufen Optionsverfälle, Indexanpassungen und Wochenabrechnungen zusammen, und passive Fonds müssen zum Schlusskurs handeln.
Für die Praxis heißt das zweierlei. Wer eine größere Position aufbauen will, findet freitags zum Schluss die beste Liquidität. Wer Intraday handelt, sollte wissen, dass die Bewegung in den letzten Minuten häufig mechanisch ist und keine Meinung ausdrückt.
Keine Positionseröffnung zwischen 11:30 und 13:30, wenn sie nicht zeitkritisch ist. Das ist keine Signalregel, sondern eine Kostenregel - und die einzige Anpassung an meinem Vorgehen der letzten Jahre, deren Wirkung ich sauber messen konnte.
Gehebelter Intraday-Handel ist für die überwiegende Mehrheit der Marktteilnehmer verlustbringend. Dieser Beitrag beschreibt Ausführungskosten und ist keine Handelsempfehlung. Die Volumenanteile sind schematisch.