Marktmechanik
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26.692 und zurück: Wie ich die DAX-Umkehr vom 5. und 6. November als Auktion lese

Rekordhoch bei 26.692,90 Punkten am Donnerstag, Schluss bei 25.820,36 am Freitag: 1.075 Punkte vom Hoch zum Tief in zwei Sitzungen. Das Volumen am Rekordtag lag 72 Prozent über dem Monatsschnitt, und zwischen beiden Tagen blieb eine Lücke von 162 Punkten offen.

Jonas BrantnerOrderflow & Index-Futures Intraday
5 Min Lesezeit

Der DAX hat am Donnerstag mit 26.692,90 Punkten ein Rekordhoch markiert und am Freitag bei 25.820,36 Punkten geschlossen, 3,27 Prozent darunter. Vom Hoch bis zum Freitagstief bei 25.617,54 waren es 1.075 Punkte in zwei Sitzungen. Für einen Intraday-Trader sind die Eckdaten aufschlussreicher als die Schlagzeile: Der Rekordtag hatte das höchste Volumen und schloss im unteren Fünftel seiner Spanne, der Freitag handelte vollständig unterhalb der Donnerstagsspanne und kam nie zurück. In der Sprache der Auktionstheorie ist das ein abgelehnter Ausbruch, gefolgt von Handel auf tieferem Niveau. Ob der Markt dieses Niveau annimmt, ist nach zwei Tagen offen.

Die belegten Eckdaten

DAX am 5. und 6. November 2026 laut dpa-infocom/EOD Historical Data. Mit * markierte Werte sind aus Tagesextrem und gemeldeter Schwankungsbreite berechnet. Volumen = gehandelte Aktien der DAX-Unternehmen; die durchschnittliche Tagesspanne des DAX liegt laut derselben Quelle bei etwa 110 Punkten.
TagHochTiefSchlussSpanneVolumenggü. 30-T-Schnitt
Do 5.11.26.692,9026.223,34*26.325,01469,5696,46 Mio.+72 %
Fr 6.11.26.061,64*25.617,5425.820,36444,1071,51 Mio.+23 %
Rekordhoch
26.692,90Donnerstag, 5.11.
Schluss Freitag
25.820,36-1,92 % · -3,27 % zum Hoch
Volumen Do
+72 %96,5 Mio. ggü. Ø 56,0 Mio.
Offene Lücke
162 Pkt.26.061,64 bis 26.223,34
25531.525843.426155.226467.126778.9Do 5.11.Fr 6.11.beide TageDAX-Tagesspannen in Punkten, Marker = Schlusskurs
Tageshoch, Tagestief und Schluss des DAX am 5. und 6. November 2026. Belegt sind das Hoch vom 5.11. (26.692,90), das Tief vom 6.11. (25.617,54), beide Schlusskurse und die gemeldeten Schwankungsbreiten (469,56 und 444,10 Punkte). Das Tief vom 5.11. und das Hoch vom 6.11. sind daraus berechnet.

Der Markt als Auktion

Die Auktionstheorie beschreibt den Markt als Verfahren, das Preise sucht, zu denen beide Seiten handeln wollen. Steigt der Preis in neues Terrain und es kommt dort Volumen zustande, gilt der Preis als angenommen. Steigt er und kehrt schnell zurück, wurde er abgelehnt. Zwei Begriffe gehören dazu: Die Value Area ist der Bereich, in dem der Großteil des Tagesvolumens gehandelt wurde, der Point of Control (POC) der einzelne Preis mit dem meisten Volumen.

Der Donnerstag war nach diesen Kriterien widersprüchlich. Der Ausbruch auf das Rekordhoch kam mit dem stärksten Volumen seit Wochen: 96,46 Millionen gehandelte Aktien der DAX-Unternehmen gegen einen 30-Tage-Schnitt von 56,03 Millionen. Getragen wurde er vom Ausgang der US-Zwischenwahlen, einem Brent-Preis, der binnen einer Woche um rund zwölf Prozent auf etwa 97 Dollar gefallen war, und einem Auftragsplus der deutschen Industrie von 4,4 Prozent im September. Am Nachmittag setzte der Ausverkauf bei US-Technologiewerten ein, der Nasdaq 100 lag zeitweise sechs Prozent im Minus. Der DAX schloss bei 26.325,01 Punkten, nur 101,67 Punkte über dem Tagestief und 367,89 Punkte unter dem Hoch.

Absorption am Hoch: was passt und was sich nicht belegen lässt

Absorption heißt: Aggressive Käufer, die zum Briefkurs kaufen, treffen auf passive Verkaufslimits, die nicht zurückweichen. Viel Volumen, wenig Preisfortschritt. Ein neues Hoch mit Rekordvolumen, gefolgt von einem Schluss im unteren Fünftel der Spanne, ist das Tagesbild, das dazu passt. Mehr als "passt" lässt sich aus Tagesdaten des Kassaindex aber nicht sagen. Für einen Nachweis braucht es das Orderbuch und die Information, auf welcher Seite die aggressive Order stand, und zwar im Future.

So prüfe ich das im FDAX, wenn ich die Aufzeichnung eines solchen Tages auswerte. Die Tabelle beschreibt die Lesart, sie ist keine Auswertung des 5. November.

Illustration der Prüfschritte. Keine Messwerte vom 5. oder 6. November 2026.
Beobachtung im FootprintLesart als AbsorptionHarmlose Erklärung
Hohes Kaufdelta am Hoch, Preis stehtpassive Verkäufer nehmen die Käufe aufIndex-Arbitrage hält den Future an die Basis zum Kassaindex gebunden
Delta dreht binnen weniger BarsErschöpfung der aggressiven KäuferUS-Eröffnung um 15:30 Uhr verändert den Fluss
Verkaufslimits werden laufend nachgelegtgroßer Verkäufer verteilt eine PositionAusführungsalgorithmus mit festem Zeitplan

Delta ist dabei die Differenz aus aggressiv gekauftem und aggressiv verkauftem Volumen, die Basis der Abstand zwischen Future und Kassaindex. Nach meinem eigenen Filter fiele ein Teil des Donnerstagnachmittags ohnehin heraus: Die US-Eröffnung ist ein Termin, und um Termine herum entsteht dasselbe Bild aus anderer Ursache.

Der Freitag: unterhalb der gesamten Donnerstagsspanne

Der Freitag begann mit einer Lücke nach unten. Sein rechnerisches Tageshoch von 26.061,64 Punkten lag 161,70 Punkte unter dem Donnerstagstief von 26.223,34. Diese Lücke wurde den ganzen Tag nicht geschlossen. Gegen Mittag notierte der DAX bei 25.743 Punkten, das Tief lag bei 25.617,54, der Schluss bei 25.820,36, fast genau in der Mitte der Tagesspanne. Das Volumen war mit 71,51 Millionen Aktien erhöht, aber deutlich niedriger als am Rekordtag.

python · schlusslage.py
def schlusslage(hoch, tief, schluss):
    '''0 = Schluss am Tagestief, 1 = Schluss am Tageshoch'''
    return (schluss - tief) / (hoch - tief)

do_hoch, do_spanne, do_schluss = 26692.90, 469.56, 26325.01
fr_tief, fr_spanne, fr_schluss = 25617.54, 444.10, 25820.36

do_tief = do_hoch - do_spanne      # 26223.34
fr_hoch = fr_tief + fr_spanne      # 26061.64

print(round(schlusslage(do_hoch, do_tief, do_schluss), 2))   # 0.22
print(round(schlusslage(fr_hoch, fr_tief, fr_schluss), 2))   # 0.46
print(round(do_tief - fr_hoch, 2))                           # 161.7 Punkte Luecke

Eine Lücke, die eine ganze Sitzung offen bleibt, bedeutet für mich: Wer am Donnerstag zwischen 26.223 und 26.692 gekauft hat, liegt ausnahmslos im Minus, und der Markt hat ihm am Freitag keine Gelegenheit gegeben, zum Einstand herauszukommen. Diese Positionen sind potenzielles Angebot, falls der Preis in den Donnerstagsbereich zurückläuft. Der Schluss in der Tagesmitte und das geringere Volumen sprechen dagegen, dass am Freitag panisch verkauft wurde. Das Bild erinnert mich an eine Diagnose aus der Werkstatt: Ein Messwert allein ist kein Fehlerbild, erst die Kombination aus Ort, Volumen und Schlusslage ergibt eines.

Was ich für die nächsten Tage mitnehme

Meine Referenzen sind die Ränder der Lücke. Läuft der DAX zurück in den Bereich 26.062 bis 26.223 und wird dort mit Volumen abgewiesen, bestätigt das die Ablehnung der Rekordpreise. Wird die Lücke geschlossen und der Donnerstagsbereich wieder mit Volumen gehandelt, war die Umkehr ein Ausschlag innerhalb einer übergeordneten Aufwärtsbewegung. Nach unten ist das Freitagstief bei 25.617,54 die erste Marke. Die durchschnittliche Tagesspanne von rund 110 Punkten wurde an beiden Tagen um das Vierfache überschritten. Solange das so bleibt, halbiere ich meine Positionsgröße, weil meine üblichen Stopps sonst mitten im normalen Rauschen liegen.

Risikohinweis

Intraday-Handel in Index-Futures ist gehebelt und für die meisten Marktteilnehmer verlustbringend. Dieser Beitrag beschreibt eine Analysemethode und ist keine Handelsempfehlung. Die Kursdaten stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 5. und 6. November 2026; die Tabelle zur Footprint-Lesart ist eine Illustration ohne Messwerte.

Quellen

  1. Dax erreicht neues Allzeithoch05.11.2026
  2. Dax wieder unter 26.000 Punkten06.11.2026
  3. Marktbericht: DAX springt auf Rekordhoch05.11.2026
  4. Aktien Frankfurt: Globaler Tech-Ausverkauf drückt Dax unter 26.000 Punkte06.11.2026

Stand der Recherche: 6. November 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.

  • DAX
  • Auktionstheorie
  • Volumen
  • Absorption
  • Kurslücke
Orderflow & Index-Futures IntradayJonas Brantner

Jonas Brantner hat zwölf Jahre Motoren diagnostiziert, bevor er 2016 anfing, Orderbücher zu diagnostizieren. Die Analogie ist ihm wichtig: Ein Fehlerbild entsteht nicht aus einem Messwert, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer - und wer nur den Preis anschaut, schaut auf die Drehzahl und ignoriert den Druck.

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