Ein Prozent klingt nach nichts: Was Gebühren über dreißig Jahre wirklich kosten
Bei 1,5 Prozent jährlichen Kosten und dreißig Jahren Laufzeit landet rund ein Fünftel des Endvermögens nicht bei Ihnen. Die Rechnung dahinter ist einfach und wird selten aufgemacht.
Kosten sind die einzige Größe bei der Geldanlage, die man vorher kennt. Rendite ist eine Hoffnung, Risiko eine Schätzung - Gebühren stehen im Vertrag. Umso erstaunlicher, wie selten sie ausgerechnet werden. Im Beispiel unten kostet der Unterschied zwischen 0,2 und 1,5 Prozent Jahreskosten über dreißig Jahre rund 49.000 Euro, bei 82.000 Euro eigenen Einzahlungen.
Die Rechnung
Nehmen wir 10.000 Euro Startkapital, 200 Euro monatlich, 30 Jahre Laufzeit und sechs Prozent Bruttorendite pro Jahr, also Rendite vor Kosten. Einmal mit 0,2 Prozent jährlichen Kosten, einmal mit 1,5 Prozent.
| Kosten p. a. | Nettorendite | Endvermögen | Differenz |
|---|---|---|---|
| 0,2 % (breiter ETF) | 5,8 % | 237.400 € | - |
| 0,8 % | 5,2 % | 212.900 € | -24.500 € |
| 1,5 % (aktiver Fonds) | 4,5 % | 188.100 € | -49.300 € |
Die Differenz zwischen 0,2 und 1,5 Prozent beträgt rund 49.000 Euro. Eingezahlt wurden über die Laufzeit 82.000 Euro. Der Kostenunterschied frisst also etwa 60 Prozent dessen, was man insgesamt eingezahlt hat.
Warum der Effekt so groß ist
Weil Kosten jedes Jahr auf das gesamte Vermögen anfallen, nicht auf den Gewinn. Im ersten Jahr sind 1,5 Prozent von 12.400 Euro etwa 186 Euro. Im dreißigsten Jahr sind 1,5 Prozent von 188.000 Euro etwa 2.800 Euro. Die Gebühr wächst mit - und sie wächst genau dann am stärksten, wenn der Zinseszins für Sie arbeiten sollte.
ein Sechstel des Endvermögens.
Der Effekt ist umso größer, je länger die Laufzeit.
Wo die Kosten sitzen
- Verwaltungsgebühr (TER). Wird täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen. Sie sehen sie nie auf einer Abrechnung - sie steckt bereits im Kurs.
- Depotgebühr. Bei vielen Anbietern inzwischen null, bei Filialbanken oft 0,2 bis 0,5 Prozent jährlich.
- Transaktionskosten. Fallen bei jedem Kauf an. Bei monatlichen Sparplänen summieren sie sich; ein Festbetrag von 1,50 Euro auf 200 Euro Sparrate sind 0,75 Prozent - pro Ausführung.
- Ausgabeaufschlag. Bei aktiven Fonds häufig bis fünf Prozent, sofort beim Kauf. Er taucht in der TER nicht auf.
- Spread. Der Unterschied zwischen An- und Verkaufskurs. Bei großen ETFs klein, bei Nischenprodukten spürbar.
Ich habe vor einigen Jahren die Kostenaufstellung meines eigenen Depots zusammengerechnet - nicht die beworbene TER, sondern alles zusammen. Ich lag bei 1,1 Prozent und hatte 0,4 vermutet. Der Unterschied steckte im Ausgabeaufschlag eines Fonds und in den Ausführungskosten des Sparplans. Beides stand in den Unterlagen, ich hatte es nur nie addiert.
Dieser Beitrag erklärt die Wirkung von Kosten und ist keine Anlageberatung oder Produktempfehlung. Die Rechenbeispiele sind konstruiert und berücksichtigen weder Steuern noch Inflation. Niedrige Kosten allein machen ein Produkt nicht geeignet.