Bitcoin im August: Wale kaufen, ETFs verkaufen - wer hat recht?
Im Juli haben Großadressen rund 270.000 Bitcoin aufgenommen, die Börsenbestände sind auf ein Siebenjahrestief gefallen. Gleichzeitig flossen aus den ETFs an einem einzigen Tag 265 Millionen Dollar ab. Beides ist wahr.
Bitcoin notierte zum Wochenauftakt bei 62.540 Dollar, ein Minus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortag und über vier Prozent auf Wochensicht. Der Juli war der schwächste Monat seit 2023. Das Monatstief lag bei 57.832 Dollar, die häufig genannte Unterstützung bei 63.150 Dollar (eine Marke, an der zuvor Käufer eingestiegen sind) liegt aktuell über dem Kurs.
Bemerkenswerter als der Kurs ist, dass zwei Gruppen von Marktteilnehmern gerade gegeneinander handeln: Großadressen haben im Juli rund 270.000 Bitcoin aufgenommen, aus den Spot-ETFs flossen an einem einzigen Tag 265 Millionen Dollar ab. Ein Widerspruch ist das nicht, beide Seiten handeln mit unterschiedlichen Zeithorizonten.
Die beiden Seiten
| Gruppe | Bewegung | Zeitraum |
|---|---|---|
| Großadressen („Wale“) | rund +270.000 BTC aufgenommen | Juli |
| Börsenbestände | auf Siebenjahrestief gefallen | Juli |
| Spot-ETFs | -265 Mio. USD an einem Tag | Freitag |
| davon IBIT / FBTC | -123 Mio. / -54,8 Mio. USD | Freitag |
Warum das kein Widerspruch ist
Die beiden Beobachtungen bilden unterschiedliche Zeithorizonte und unterschiedliche Zwänge ab.
ETF-Flüsse sind kurzfristig und teilweise fremdbestimmt. Ein Spot-ETF gibt Anteile aus und nimmt sie zurück, je nachdem, ob Anleger kaufen oder verkaufen. Ein erheblicher Teil dieser Anleger sind Vermögensverwalter mit Risikobudgets, die bei steigender Volatilität automatisch reduzieren müssen - unabhängig von ihrer Meinung zu Bitcoin. Ein Abfluss von 265 Millionen Dollar sagt deshalb nicht zwingend etwas über Überzeugungen aus.
Bestandsverschiebungen auf der Blockchain sind langsam und selbstbestimmt. Wenn Coins von Börsenadressen auf Adressen wandern, die selten bewegen, spricht das für einen längeren Anlagehorizont. Der Rückgang der Börsenbestände auf ein Siebenjahrestief bedeutet konkret: Der Anteil an Bitcoin, der kurzfristig verkauft werden kann, ist so klein wie seit 2019 nicht.
„Wale“ ist ein irreführender Begriff. Adressen mit großen Beständen gehören häufig Börsen, Verwahrern oder ETF-Anbietern selbst. Eine Zunahme der Bestände auf Großadressen kann deshalb auch bedeuten, dass ein Verwahrer seine Struktur umgebaut hat. Ich behandle diese Zahl als Hinweis, nicht als Beleg - und der Rückgang der Börsenbestände ist der belastbarere der beiden Datenpunkte.
Was gerade belastet
Drei Punkte, die sich sauber unterscheiden lassen:
Regulierung. Der sogenannte Clarity Act, ein geplantes US-Gesetz zur Marktstruktur für Kryptowerte, steht nicht auf dem Terminplan des US-Senats. Wettmärkte preisen die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung im Jahr 2026 mit rund 27 Prozent ein. Regulatorische Klarheit ist für institutionelle Zuflüsse relevanter als für den Spotpreis - die Wirkung liegt in der Zukunft, der Kurseffekt tritt aber sofort ein.
Ein Sicherheitsvorfall. Über einen Angriff auf Coldcard-Wallets wurden 1.367 Bitcoin von 4.585 Adressen entwendet, umgerechnet rund 89 Millionen Dollar. Gemessen an der Marktkapitalisierung ist das eine kleine Summe. Die Wirkung solcher Vorfälle liegt nicht im Volumen, sondern im Vertrauen in Selbstverwahrung - und Selbstverwahrung ist der Grund, warum die Börsenbestände so niedrig sind.
Saisonalität. Der August gilt historisch als schwacher Monat. Ich halte davon wenig: Bei rund fünfzehn auswertbaren Jahren gibt es fünfzehn Beobachtungen pro Kalendermonat. Das reicht für keine belastbare Aussage.
Ein Blick auf Ethereum
Ethereum notiert bei etwa 1.866 Dollar, rund 62 Prozent unter dem Rekord von 4.953 Dollar aus dem August 2025. Bemerkenswert ist die Kombination: Der Juli war mit plus 20,3 Prozent der stärkste Monat seit einem Jahr, und zugleich verzeichnet Ethereum drei Verlustquartale in Folge - erstmals in seiner Geschichte.
Die Zahl, die mir dabei am meisten sagt: Die aktiven Adressen liegen bei rund 400.000 pro Tag. Im Februar waren es etwa doppelt so viele. Das ist ein Rückgang der tatsächlichen Netzwerknutzung um die Hälfte - und Netzwerknutzung ist bei Ethereum enger mit dem fundamentalen Wert verbunden als bei Bitcoin, weil sie die Gebühreneinnahmen bestimmt, die wiederum das Angebot beeinflussen: Ein Teil der Gebühren wird dauerhaft vernichtet.
Ich leite daraus keine Kursaussage ab. Was die Bestandsdaten beschreiben, ist eine Verengung des kurzfristig verfügbaren Angebots. Das erhöht die Empfindlichkeit des Preises in beide Richtungen - bei Nachfrage stärker nach oben, bei Zwangsverkäufen stärker nach unten.
Kryptowährungen sind hochvolatil, ein Totalverlust ist möglich. Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung. Alle Kurse und Kennzahlen stammen aus den unten genannten Quellen mit Stand 2. bis 3. August 2026.
Quellen
- Bitcoin: Washington bremst die Erholung03.08.2026
- Ethereum: Wale kaufen, Kurs zögert03.08.2026
- Ethereum: Drei Verlustquartale in Folge02.08.2026
Stand der Recherche: 5. August 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.