Sektoren im Juli: Wo das Geld hinfloss und wo es abfloss
Der Nasdaq 100 verlor im Juli 6,6 Prozent, europäische Indizes liefen auf Rekorde zu. Eine Matrix aus Sektoren und Wochen macht sichtbar, was ein Indexstand verdeckt.
Ein Index ist ein gewichteter Mittelwert, und Mittelwerte verdecken systematisch das Interessante. Der Juli ist dafür ein gutes Beispiel: Der Nasdaq 100 schloss den Monat mit minus 6,6 Prozent ab, während europäische Indizes in Richtung Rekord liefen.
Unter der Indexebene zeigt sich, wie beides zusammenpasst: Rüstung und Energie verloren zum Monatsende an relativer Stärke, Technologie, Versorger und Immobilien holten auf.
Wie man eine solche Matrix liest
Jede Zeile ist ein Sektor, jede Spalte eine Woche. Die Werte sind relative Performance gegen den Gesamtmarkt - nicht absolute Rendite. In einer Woche, in der alles steigt, kann ein Sektor deshalb trotzdem tiefdunkel rot sein, weil er weniger stark gestiegen ist als der Rest.
Damit misst die Matrix Kapitalumschichtung, nicht Marktrichtung. Und Umschichtung ist die Größe, an der man erkennt, worauf sich der Markt einstellt.
Drei Muster im Juli
Die Rüstungsdrehung. In den ersten Wochen deutlich vorn, gegen Monatsende deutlich hinten. Das passt zeitlich zur Entspannung im Nahostkonflikt und ist der sauberste Fall von Nachrichtenreaktion in dieser Matrix. Rheinmetall lag zum Monatsende rund 30 Prozent unter dem Jahresanfangsniveau, obwohl das Auftragsbuch auf Rekord steht.
Die späte Erholung der Technologie. Drei Wochen deutlich hinten, in der letzten Woche wieder positiv. Auslöser waren Quartalszahlen, nicht Makro. Das ist die typische Signatur eines Sektors, in dem einzelne Berichte den Gesamteindruck drehen - und ein Grund, warum der Nasdaq als Monatszahl (-6,6 %) den Verlauf schlecht abbildet.
Die Zinssensitiven kommen zurück. Versorger und Immobilien liegen in den letzten beiden Wochen vorn. Und das, obwohl die Bundrendite, die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen, mit 3,14 Prozent nahe ihrem 15-Jahres-Hoch liegt. Eine Erklärung wäre, dass der Markt nach dem EZB-Schritt vom Juni keinen weiteren erwartet und die Belastung damit als eingepreist behandelt.
Fünf Wochenbeobachtungen je Sektor sind eine winzige Stichprobe. Was hier sichtbar wird, sind Anhaltspunkte für Fragen, keine belastbaren Effekte. Ich benutze die Matrix, um zu entscheiden, worüber ich recherchiere - nicht, um Positionen zu begründen.
Was eine Heatmap nicht kann
Sie kann nicht zwischen Ursache und Begleiterscheinung unterscheiden. Dass Rüstung und Energie in denselben Wochen fielen, kann bedeuten, dass beide auf dieselbe Nachricht reagierten - oder dass sie zufällig gleichzeitig aus verschiedenen Gründen fielen. Die Matrix zeigt Gleichzeitigkeit, und Gleichzeitigkeit ist keine Erklärung.
Deshalb steht am Ende jeder solchen Auswertung bei mir dieselbe Aufgabe: für jedes auffällige Feld eine Nachricht suchen, die es erklärt. Findet man keine, ist das Feld wahrscheinlich Rauschen.
Keine Anlageberatung. Die Matrixwerte sind zur Illustration konstruiert; die genannten Indexbewegungen und Einzelwerte sind belegt und stammen aus den unten angegebenen Quellen.
Quellen
- Aktien New York Schluss: Amazon treibt Nasdaq-Erholung voran31.07.2026
- Chevron Aktie: Rekordquartal, schwacher Ölpreis03.08.2026
Stand der Recherche: 6. August 2026. Kurse und Kennzahlen können sich seither verändert haben.